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<title>Arkham Asylum</title>
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<title>Das Seil</title>
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<description><![CDATA[<span style="font-style: italic;">by Vasilika Schnitzer, 19.9.09</span><br /><br /><div style="text-align: justify;">In einem Land jenseits unserer Vorstellungskraft, in einer Zeit, die weder vor noch nach uns liegt, lebte einst ein junger Mann. Er stand mit beiden Beinen fest auf der Erde, doch pflegte er es, ausgedehnte Spaziergänge zu machen und hohe Berge zu besteigen. Seine Zuneigung zu den Bergen konnte er sich selbst nicht recht erklären – er genoss es einfach, ab und zu einen Überblick über seine Welt zu haben und etwas frische Luft zu atmen, bevor er sich wieder in sein abwechslungsreiches Dasein stürzte. Er hatte durchaus das, was man ein glückliches Leben nennen konnte – die Menschen um ihn herum respektierten und schätzten ihn, die Welt bot ihm immer neue Herausforderungen, und er war zudem mit einem äußerst wachen und neugierigen Verstand gesegnet. Er lernte, sich in seiner Welt zurechtzufinden, und er war zufrieden mit seinen bisherigen Errungenschaften.<br />Bis eine Laune des Schicksals – war es Zufall? War es jemandes Absicht? Das würde er nie erfahren, nicht während seiner Lebzeit – bis also eine Laune des Schicksals ein Seil herabfallen ließ. Das Seil schwebte über einer seiner Bergspitzen und gerade in seiner Reichweite – er müsste sich lediglich auf die Zehenspitzen stellen, schon könnte er danach greifen und sich an ihm hochziehen. Doch daran dachte er zunächst gar nicht. Er blickte nämlich an dem Seil hoch – erstaunt über sein plötzliches Auftauchen – und versuchte, den Endpunkt zwischen den Wolken auszumachen. Doch was er sah, begeisterte ihn so sehr, dass es ihm mit einem Male egal wurde, wer dieses Seil woher und warum herabgelassen hatte – er erblickte das Gesicht einer jungen Frau, der schönsten, die er jemals gesehen hat. Für kurze Zeit vergaß er, dass er ein Mensch war, und lächelte sie an.<br />Sie lächelte zurück.<br />Er begann zu reden.<br />Sie konnte ihn hören.<br />„Hallo“, sagte er. „Ich bin ein Mensch, und wer bist du?“<br />„Ich bin eine Himmlische“, antwortete sie.<br />„Eine Göttin?“<br />„Nein, einfach eine Himmlische.“<br />Von Himmlischen hatte er noch nie etwas gehört.<br />„Was machst du da oben?“, fragte er.<br />„Ich lebe hier“, antwortete sie. „Und was machst du da unten?“<br />„Auch ich lebe hier“, erwiderte er und erinnerte sich sogleich an die Wetterkunde aus dem Erdkundeunterricht. „Frierst du denn nicht da oben? Ist dir die Luft nicht zu dünn?“<br />Sie lachte. „Ich möchte eher wissen, ob es dir nicht zu anstrengend ist, immer auf zwei Beinen herumzulaufen und dich mit deinesgleichen abzuquälen, die deine Wanderlust nicht teilen.“<br />Er blinzelte ein wenig und versuchte ein Lächeln, doch es wollte ihm nicht gelingen.<br />Sie verstanden sich nicht.<br />Doch sie hatte ihn gehört, und er hatte sie gesehen. Das musste etwas bedeuten. Das war etwas Besonderes.<br />In den nächsten Tagen stieg er immer öfter auf die Bergspitze. Manchmal wollte er gar nicht mehr gehen, doch er war ein Mensch, und er wusste, er brauchte andere Menschen um sich, er brauchte ihr Lachen und ihre Wärme, er brauchte Wesen, die das Leben vom Erdboden aus betrachteten und seine Erfahrungen teilten.<br />Einmal erzählte er der jungen Frau in den Wolken von einem heftigen Sturm, der über das Dorf seiner Großeltern hinweggefegt und viele Häuser verwüstet hat. Diese lächelte nur und meinte: „Ein Sturm? Ich habe von hier oben schon einige Stürme gesehen, doch sie sahen wirklich nicht gefährlich aus.“ „Für uns Menschen sind sie aber sehr gefährlich“, entgegnete der junge Mann und war ziemlich verdutzt über die Leichtigkeit, mit der die junge Frau das Unwetter hinnahm. „Manchmal sterben wir sogar darin.“ „Warum kommt ihr denn nicht einfach hier hoch?“, fragte die Frau. „Wir sind hier sicher vor den Stürmen.“ Darüber hatte der junge Mann noch nie nachgedacht, doch eine Antwort drängte sich ihm sogleich auf: „Wir wollen die Erde nicht aufgeben. Da oben ist es kalt und ohne Leben, wir können uns da bestimmt nicht wohl fühlen.“<br />Die Frau lachte wieder, doch ein kleiner Teil ihrer Seele lachte nicht mit. Er hatte sie, ohne es zu merken, verletzt. „Weißt du was, Kleiner“, höhnte sie. „Wenn du einmal das Feuer der Sterne aus nächster Nähe gesehen, ihre Hitze auf deinem Gesicht gespürt hast, dann weißt du, was wirkliches Leben ist.“ <br />Der junge Mann wusste nicht, was Sterne waren, zumal sich die Wolkendecke über seiner Welt niemals zerstreute. Doch das erwähnte er nicht. „Nein, wir haben hier auch Leben, wir haben Pflanzen und Tiere, wir haben eine erstaunliche Einsicht in die kleinen Dinge, was uns wiederum Weitsicht verschafft! Wir sehen Moleküle, die sich bewegen, messen Elektronen, die Lebloses bewegen, bei uns findet das reale Leben statt, wie kannst du das nur leugnen!“<br />Die Frau hatte keine Ahnung von Molekülen und Elektronen, doch das verschwieg sie. Stattdessen ließ sie ein paar Handvoll Hagelkörner auf den jungen Mann herabregnen und lachte schallend. „Was weißt du schon vom Leben? Du kannst dir nicht einmal auf den Hinterkopf schauen, dein Blick reicht bis zu den nächsten Nebelschwaden, und du erzählst mir was von Weitsicht? Schau dir besser auf die Füße, damit du nicht über sie stolperst, wenn du hier weg gehst!“<br />Der junge Mann ließ seinen Kopf hängen und ging nach Hause. ´Der gibt ja schnell auf´, spottete sie in sich hinein. ´Dann ist er die Mühe auch nicht wert. Warum habe ich bloß angefangen, meine Zeit an ihn zu verschwenden? Das hat man davon, wenn man in einem gewöhnlichen Menschen etwas zu sehen glaubt, was nicht da ist.´ Sie rollte sich auf ihre Lieblingswolke und begann, etwas gelangweilt mit Eiskristallen zu spielen.<br /><br />Auf seinen Wangen waren Spuren getrockneter Tränen, als er sein Haus erreichte und sich zu seinen Freunden gesellte, die auf der Schwelle saßen und auf ihn warteten. „Was lässt du denn deinen Kopf so hängen?“, fragte der erste. „Ich fürchte, ich habe mich verliebt“, erwiderte der junge Mann. „Was ist so schlimm daran?“, warf ein zweiter ein. „Sie respektiert mich nicht“, schniefte er. „Sie toleriert meine Weltanschauung nicht. Ich dachte, wir seien uns ähnlich, doch scheinbar will sie mich einfach nicht akzeptieren. Ich verstehe nicht, woran das liegt.“ „Na“, grinste ein dritter und schubste ihn leicht. „Nicht gleich heulen. Hier, nimm ein Taschentuch und erzähl mal genauer, was denn nun nicht stimmt zwischen euch.“<br />Der junge Mann seufzte tief. „Immer, wenn ich ihr etwas erzähle, stellt sie es in Frage. Alles, woran ich glaube, hält sie für dummes menschliches Zeug. Wenn ich sie bitte, mir von ihr zu erzählen, redet sie stundenlang von irgend welchen Kristallen und Dingen, die sie ´Sterne´ nennt, und manchmal verrät sie mir sogar, dass ihr die Aussicht von oben nicht immer gefällt, und wenn ich ihr vorschlage, mal herunter zu kommen, sagt sie, es würde ihr reichen, die Augen zu schließen und sich ihren Eiskristallen zu widmen, um alles andere zu vergessen. Und dann lacht sie wieder und befiehlt mir, alles sofort zu vergessen, zumal sie sich wie das glücklichste Wesen der ganzen Welt fühle und es nicht nötig habe, von einfachen Menschen Ratschläge entgegen zu nehmen. Und dann stehe ich nur noch da und weiß nicht, was ich von ihr halten soll… Ich habe Angst vor ihr, ihre Worte können wie Eiszapfen sein…“ Der junge Mann begann wieder, zu schluchzen, und seine Freunde klopften ihm beruhigend auf den Rücken. „Hast du sie denn schon mal nach diesen Dingen gefragt, diesen ´Sternen´?“, fragte der zweite. „Nein“, gab der Mann zu, „aber ich weiß, was sie sagen würde, wenn ich es täte. Sie würde diese Sterne in überschwänglichen Worten loben und behaupten, ich könne ihre Größe und Hitze niemals erfahren, da ich nur ein Erdenmensch sei und oberhalb der Wolken nicht atmen könne… Was soll ich nur tun!?“<br />Da äußerte der erste Freund seinen Einfall – er war überhaupt ein sehr spontaner Mensch und glaubte stark an die positiven Wirkungen der Gemeinschaft – „lasst uns“, sagte er, „auf deinen Berg gehen und ihr zeigen, dass wir voll hinter dir stehen!“<br />Also machten sich die vier auf, bestiegen die Bergspitze, dann formten die drei Freunde ein Podest aus ihren Armen und ließen den jungen Mann darauf steigen. Einen Meter näher am Himmel und mit drei eifrig blinzelnden Freunden unter sich, rief er zu den Wolken hinauf. „Sieh mich an“, schrie er. „Ich bin verzweifelt, aber nicht allein auf dieser Welt! Ich möchte, dass auch du mich respektierst! Ich möchte, dass du mich als fühlende Wesen wahrnimmst!“ In der Welt des jungen Mannes war die Bitte um Respekt und Anerkennung eine sehr ernsthafte Sache, und ein wahrer Mensch konnte nicht anders, als in irgendeiner Art und Weise darauf einzugehen. Die Frau in den Wolken lachte nur laut. „Und wenn du alle Menschen deines Planeten um dich versammelst, so wirst du mir keinen Zentimeter näher kommen!“, spottete sie. „Geh und suche dir eine Frau deiner Art, die dich nach deiner Art respektiert!“ Während sie das sprach, dachte sie bitter: ´Der hat ja keine Ahnung, was Respekt ist.´ Nein, das Verständnis von Respekt in ihrer Welt würde sie ihm niemals nahe bringen können, das wusste sie.<br />„Komm runter“, rief er. „Komm runter und lass mich dir beweisen, dass du mir wichtig bist! Lass mich dir zeigen, dass ich dich liebe! Bitte!!“<br />Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin glücklich hier oben. Warum sollte ich den Weg zu dir auf mich nehmen? Warum sollte ich all das riskieren?“<br />„Weil…“, begann er und verstummte sogleich. Er stieg von den Armen seiner Freunde, deren Blicke betroffen den Boden absuchten, und schüttelte den Kopf. ´Weil ich dachte, dass ich dir auch wichtig bin´, hallte es in ihm. `Weil ich dachte, dass ich dir nicht egal bin.` Scheinbar hatte er sich geirrt. Für sie war er nur ein netter Zeitvertreib gewesen, nicht mehr. Sie würde ihm nie die Chance geben, verstanden zu werden. Das hatte sie nicht nötig.<br /><br />Sie verzog das Gesicht, drehte sich von der rührseligen Szene weg, die sich auf dem Erdboden abspielte, und schob eine Wolke vor. `Komm und hol mich doch, du Idiot`, sprach sie in die Leere. `Wieso verstehst du meine Sprache nicht? Glaubst du etwa, du könntest das, was du da in deiner kleinen armseligen Welt gelernt hast, auf mich anwenden? Ich bin nicht eine von deinesgleichen!` „Und er ist nicht so wie du“, sprach eine Stimme. Die Frau drehte sich erstaunt um und erblickte eine andere Himmlische, die das Geschehen scheinbar beobachtet hatte. „Er kennt weder die Kälte noch die Sterne. Du kannst nicht von ihm erwarten, dass er deine Sprache versteht.“ „Was kann ich denn dann überhaupt von ihm erwarten?“, empörte sich die Frau. „Soll ich etwa herabsteigen und ihm Wort für Wort meine Welt erklären?“<br />Die andere Himmlische lächelte. „Zum Beispiel. Ich habe das auch mal gemacht. Wir können in der Welt der Menschen für einige Zeit existieren, ohne Schaden davonzutragen, die Menschen jedoch erfrieren und ersticken bei uns. Deshalb lag es für mich nahe, zumindest einmal herabzusteigen und meinem Verehrer einige schöne Stunden zu schenken, bevor es mir da unten zu heiß und eng wurde.“ „Na“, warf die Frau ein, „du bist dir aber auch für nichts zu schade. Heruntersteigen – so ein Unsinn.“ „Oh, ich habe es nicht bereut“, lachte die Himmlische. „Es gab Interessantes zu entdecken. Ich habe ihm die Chance gegeben, mir seine Welt zu erklären – in der wir natürlich nicht glücklich werden können, aber die durchaus ihre Existenzberechtigung hat. Immerhin war sie schon immer da – genau wie die unsere.“ Die junge Frau empörte sich erneut. „Ihm eine Chance geben? Warum? Hat er mir denn eine gegeben?“ „Und ob“, sagte die Himmlische und seufzte, denn sie wusste, die andere würde nur das akzeptieren, was sie mit eigenen Augen gesehen, mit eigenem Verstand entdeckt hat – „er hat nach oben geblickt und sich in dich verliebt.“<br />„Weil ich oben bin. Und weil ich schön bin.“<br />„Nein, das ist einfach passiert. Und wird ihm nun zum Verhängnis.“<br /><br />In der Zwischenzeit hatte der junge Mann seine Freunde nach Hause geschickt und war durch Wälder und Berge gewandert. Nun saß er am Eingang einer Höhle und dachte nach. Womit könnte er sie für sich gewinnen? Was konnte er ihr bieten? Und vor allem - wie konnte er sie erreichen?<br />Sie müsste auf die Erde kommen, kam ihm da in den Sinn. Sie müsste herabsteigen, oder herabfallen, herabgezogen werden, irgendwie! Er erinnerte sich an den Unterricht über den Aufbau der Welt – die Menschen, so hatte er gelernt, waren mit einem Faden an ihren Ursprung gebunden, und wenn der Tod diesen Faden zerschnitt, fielen sie herab ins Erdreich, und was dann mit ihnen geschah, das wusste keiner so recht. Wenn die Menschen also ins Erdreich fielen, mussten die Himmlischen doch auf die Erde herabkommen – er könnte sie auffangen, ihr helfen, sich in der neuen Welt zurecht zu finden, immer mit der Hoffnung, seine Liebe würde irgendwann erwidert werden.<br />Also stand er auf und begann zu schreien. Er schrie nach dem Tod, nach dem Wächter der Unterwelt, nach jemandem, der ihm helfen konnte. Er schrie viele Tage und Nächte lang, bis er letztendlich kraftlos zusammenbrach und in einen tiefen Schlaf viel.<br />Und in diesem Schlaf begegnete ihm der Tod.<br /><br />„Was suchst du hier?“, dröhnte es aus dem Schlund des Todes. „Dich erwarte ich noch nicht!“<br />„Ich komme mit einer Bitte“, flüsterte der Mann, der nur noch ein Schatten seiner selbst war.<br />„Eine Bitte? Du möchtest doch wohl nicht meine Schere?“<br />„Doch, vermutlich möchte ich genau die.“<br />Der Tod lachte rollend, dann sprach er: „Da hat sich jemand wieder in eine Himmlische verliebt und möchte sie zu sich auf die Erde holen? Ha ha!“<br />Der junge Mann nickte stumm; scheinbar war er nicht der erste mit diesem Einfall.<br />„Ich sag dir was, Kleiner“, setzte der Tod fort, „ich habe mich schon oft mit Ihm darüber unterhalten, dass es keine gute Idee ist mit diesen Seilen. Sollen doch die Himmlischen die Himmlischen und die Menschen die Menschen bleiben, habe ich Ihm gesagt. Sollen die doch besser nichts von einander wissen, dann sind wir alle glücklicher! Und Er sagte, nein, glücklicher sind wir, wenn wir voneinander lernen und uns verstehen. Glücklicher sind wir, wenn wir Vielfalt haben und mit Unbekanntem konfrontiert werden. Aber, sagte ich, die leiden doch! Irgendwann, sagte Er, werden sie lernen, das Leid zu Glück zu verwandeln. Irgendwann. Verstehst du das, mein Junge? Und nun kommen sie alle zu mir und wollen die Schere. Den Himmlischen ist das egal, die kommen nicht. Denen reicht es, sich auf den Rücken zu drehen und die Sterne zu zählen, so vergessen Sie, dass es Leid gibt und dass sie nicht glücklich sind. Sie zwingen sich, es zu vergessen. Aber die Menschen – die kommen. Dabei haben sie keinerlei Vorstellung, was sie mit den Himmlischen machen sollen, wenn sie auf die Erde fallen. Na, hast du eine?“<br />Der junge Mann zuckte zusammen, erschrocken über das plötzliche Ende des Redeflusses. Dann blinzelte er ein paar Mal und meinte: „Ich werde sie auffangen. Ich werde ihr helfen, sich einzugewöhnen. Werde ihr meine Welt zeigen und sie darin glücklich machen.“<br />„Du weißt ja gar nicht, was sie glücklich macht!“, rief der Tod.<br />„Ich werde es herausfinden. Ich werde mein ganzes Leben lang danach suchen.“<br />„Nun gut.“ Der Tod öffnete eine schwarze Klappe, die in einer schwarzen Wand eingebettet war, und steckte seinen Kopf hinein. „Phytia! Komm mal da raus. Du wirst gebraucht.“<br />Das, was aus der schwarzen Öffnung gekrochen kam, konnte der junge Mann nicht einordnen und nicht benennen. Ein zischendes, sich windendes, scheinbar vielarmiges Wesen mit einem hellen, kuppelförmigen Auge, das auf der Stelle saß, die der Kopf sein könnte.<br />„Zeig ihm, was passiert, wenn er die Schere benutzt“, sagte der Tod und sogleich stürzte sich Phytia auf den jungen Mann, umschloss mit ihrem Mund – vermutlich war das ihr Mund – seinen Kopf und tauchte alles um ihn in vollkommene Dunkelheit.<br /><br />Er stand inmitten einer Sandwüste, allein, Stille umgab ihn. Neben ihm auf dem Boden lag eine kleine, silberne Schere. Gerade als er sie aufheben wollte, hörte er einen Schrei. Der Schrei war verzweifelt, aber nicht flehend; zornig, doch nicht hilflos. Sie fiel. Seine Augen suchten den Himmel ab, seine Beine liefen von einer Sanddüne zur anderen, aber er hatte keine Ahnung, wo sie herunterkommen würde. Die Schweißperlen auf seiner Stirn zeugten von seiner unermesslichen Angst – sie nicht fangen zu können. Die Angst war berechtigt.<br />Ihr Körper schoss herab, weit von der Stelle, an der er stand, und fiel in einen tiefen Abgrund. Er hörte die Erde beben, eilte an den Rand des Erdspalts und blickte hinein. Dort, im Geröll am Fuße zweier gigantischer Felsen, lag sie, klein und verletzt. Sie keuchte, spuckte Sand aus, fluchte, versuchte sich aufzurappeln, doch ihre Beine hielten sich nicht. Sie blieb liegen.<br />„Das… das wollte ich nicht“, stammelte er. Als Antwort schleuderte sie ihm einen furchterregenden Schrei entgegen. „Verschwinde“, brüllte sie. „Ich will dich nie wieder sehen!“<br />Er lief den Rand der Schlucht ab, immer wieder, suchte nach Möglichkeiten, hinunter zu klettern, doch die Wände waren so steil und glatt, dass er sich nirgendwo mit den Händen hätte festhalten können. Es war unmöglich.<br />Er ging einige Schritte zurück, holte tief Atem, nahm Anlauf und sprang.<br /><br />Phytia ließ den Kopf des jungen Mannes wieder frei und kroch zurück in die dunkle Wandöffnung. Der Tod hatte die Arme verschränkt und ein schiefes Grinsen aufgesetzt. „Genug gesehen?“ Der junge Mann schien sichtlich verwirrt, nickte aber. „Du hast gerade zwei Leben vernichtet“, lachte der Tod. „Was mir selbstverständlich nur zu Gute kommt. Aber wir müssen uns ja alle an Regeln halten, deshalb lass mich dir Folgendes sagen: schlag dir das mit der Schere aus dem Kopf. Lass dir was anderes einfallen.“<br />Der junge Mann zuckte mit den Schultern. „Ich bin ratlos. Für sie bin ich nicht mehr als ein nutzloser Schatten, ein kleiner Punkt auf einer Bergspitze. Sie in ihrer Höhe und Arroganz nimmt mich überhaupt nicht wahr. Sie spielt nur mit mir! Man darf sich als Mensch wohl nicht in ein höheres Wesen verlieben…“<br />„Ach“, sagte der Tod. „Das nimmst du dir ganz schön zu Herzen, Kleiner. Wenn du dich nur darüber beklagst, ein nutzloser Schatten zu sein, dann bist du natürlich auch nur ein nutzloser Schatten. Aber wenn du ein einziges Mal den Gedanken zulassen würdest, dass ihr unterschiedliche Sprachen sprecht, würde sich deine Wahrnehmung sofort verändern. E-ech.“ Der Tod seufzte schmunzelnd. „Dass ich hier immer den großen Erklärer spielen muss. Aber ja, die Regeln, die Regeln…“ Der junge Mann begriff nicht wirklich, was der Tod mit den Regeln gemeint hatte, aber mit der Unterschiedlichkeit der Sprachen war er nicht einverstanden. „Mit der Unterschiedlichkeit der Sprachen bin ich nicht einverstanden“, sagte er. „Wir verstehen uns doch. Wir benutzen die gleichen Worte. Wir erzählen uns von unseren Gedanken und reden über die Welt. Wir verstehen uns, und…“ „Nein“, unterbrach ihn der Tod. „Ihr könnt euch nicht verstehen. Weißt du, was Sterne sind? Weiß sie, was Pflanzen sind? Natürlich nicht. Und noch etwas – vergiss das mit dem höheren Wesen. Es fehlt dieser Welt an Dimensionen, deshalb denkt ihr in so einfachen Strukturen wie oben und unten und besser und schlechter und höher und tiefer, und alles bei euch entspricht einander. Die Himmlischen halten sich für etwas Besseres, die da unten beneiden sie und haben Minderwertigkeitskomplexe – das habe ich Ihm auch gesagt, mach doch eine andere Ebene, habe ich gesagt, sie werden alles durcheinander bringen, sie in ihren beschränkten Denkweisen, doch Er wollte euch allen eine Chance geben, wollte, dass ihr irgendwann jenseits von oben und unten denkt und lebt. Irgendwann. Er hat gut reden, hat ja ewig viel Zeit.“ Der Tod lachte kurz auf und boxte den jungen Mann in die Schulter. „Na, Vorschläge?“<br />Dieser zuckte wieder nur mit den Schultern. „Ich verstehe nicht viel von dem, was du da sagst, aber vermutlich willst du mir weismachen, dass wir beide gleich sind, und gleichzeitig so unterschiedlich, wie zwei Wesen nur sein können. Das ist natürlich sehr einfach zu handhaben, so eine Ausgangssituation…“ Der Tod lachte laut und klopfte dem Mann erneut auf die Schulter. „Junge, du bist gut! Du hast es erfasst. Ihre Arroganz entspricht deinem Stursinn, darin seid ihr gleich. Ihr habt aber unterschiedliche Bezeichnungen dafür, und unterschiedliche Arten, diese Stursinn-Arroganz darzustellen. Darin unterscheidet ihr euch. Nun ja, zugegeben, keine leichte Ausgangssituation. Ihr müsst euch wohl irgendwo in der Mitte treffen.“<br />Der junge Mann riss die Augen auf. „Das Seil! In der Mitte! Du meinst also, wir müssen uns auf dem Seil treffen? Und ich dachte, es wäre… ich dachte…“<br /><br />„Wisse, worauf du dich einlässt.“ Die Stimme, die das ausgesprochen hatte, war reiner als Glockenschlag, sanfter als das Rauschen eines Bergbaches, und zugleich lauter als das Geschrei von tausend Krähen. Der Mann blickte sich um und sah eine helle, kleine Gestalt vor sich, deren Augen ihn blendeten, deren Gesicht jung war und doch bereits Tausende von Jahren hinter sich barg. „Ich bin die Liebe“, sagte sie. „Der Tod ist mein Mann.“ Der Tod warf dem jungen Mann einen vielsagenden Blick zu, trat an die Liebe heran und küsste ehrfürchtig ihre Hand. „Der Tod“, begann sie, und ihre Stimme war nun ferner als der Wind, doch wärmer als Feuer, „war einst ein Mensch, genau wie du. Er war der erste Mensch, der sich in eine Himmlische verliebte. Auch er war zunächst verzweifelt, denn ich lachte nur über ihn, ich warf mit Eiszapfen, ich erzählte ihm von den Sternen, während er mir Gedichte aus seiner kleinen Welt vortrug. Aber der Stursinn, der die meisten Menschen dazu zwingt, sich in einer dunklen Ecke zu verbergen und sich leise ihren Tränen des Selbstmitleids hinzugeben, brachte ihn dazu, sein Mensch-sein aufgeben zu wollen. Es war ihm egal, ob ich ihn oben erwartete oder nicht, ob ich ihn verhöhnte – er begann, das Seil zu erklimmen, welches vor seiner Nase baumelte. Die Menschen, die das sahen, versuchten, ihn davon abzuhalten. Sie packten ihn an der Hose, zerrten an seinen Beinen, flehten ihn an, nicht in den sicheren Tod zu klettern. Er schüttelte sie ab. Schlug ihnen den Absatz seines Stiefels ins Gesicht. Schrie sie an, sie sollen ihn in Ruhe lassen. Er wusste, dass es die einzige Möglichkeit war, seine Geliebte zu erreichen – er musste sich aus der Sphäre der Menschen hinausbegeben. Also kletterte er – stunden-, tage-, wochenlang. Die Luft wurde immer dünner. Der Wind wurde stürmischer, die Umgebung kälter. Ich beobachtete ihn von oben und lachte. Ich lachte, während er keuchte, und ich lachte, während er sich verzweifelt an das Seil klammerte, sich mit seiner letzten Kraft den Strang hochzog. Irgendwann waren seine Finger gefroren, seine Beine zitterten, seine Lippen ließen sich kaum noch öffnen. ´Bitte´, stammelte er, ´bitte komm zu mir´.<br />Und da, als ich diesen kleinen, jämmerlichen Menschen am Seil hängen sah, als mir bewusst wurde, was ihn der Aufstieg gekostet hatte, nur um mich berühren zu können, begriff ich, dass er alles andere als klein und jämmerlich war. Dass er tapfer, dass er sich selbst aufzugeben bereit war. Dass er das alles für mich tat. Auf einmal wollte ich nicht, dass er erfror. Ich wollte nicht, dass er litt. Er sollte Wärme bekommen, so viel Wärme, wie er nur wollte. Er sollte seine Hand auf mein Herz legen können. Mein Wolkenreich erschien mir nun so blank und leer, so trostlos, so… einsam. Ich wollte ihn bei mir haben – für immer. Also begann ich, herunterzuklettern. Meine Arme und Beine schmerzten, denn ich hatte bisher niemals klettern müssen. Sie schmerzten fürchterlich. Ich hatte ständige Angst, abzurutschen und in die Tiefe zu fallen. Die Hitze verzehrte meinen Körper, der dichte Sauerstoff bereitete mir Schwindelgefühle, ich dachte, ich würde bald die Kontrolle über mich verlieren. Aber immer, wenn ich hinabsah, hing er da und lächelte leicht, nur so viel, wie es seine frostigen Lippen zuließen. Ich kletterte und kletterte…“<br />„Und als sie endlich bei mir angekommen war, stand ich kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren, so lange hatte sie gebraucht“, grinste der Tod und die Liebe kniff ihn in die Seite. „Als sie in meinen Armen hing, war ich das glücklichste Wesen auf der ganzen Welt. Ich kühlte sie ab, sie wärmte mich und hauchte mir überflüssigen Sauerstoff ein, wir sprachen eine Sprache, wir waren verschieden, und doch eins.“ „Dann fragte ich ihn, wo wir zu leben gedachten, und er zuckte mit den Schultern und meinte, ´von mir aus hier am Seil, zwischen unseren beiden Welten´. Womit ich natürlich nicht einverstanden war, also begannen wir, die Unterwelt zu schaffen – eine Welt, in der es uns beiden gut gehen konnte. Die Unterwelt ist all denen ein Zuhause, deren Liebe ewig ist.“<br />Die Liebe schloss ihre Erzählung, der Tod grinste wieder in Richtung des jungen Mannes, der gerade bemüht war, all das Gesagte zu begreifen, zu verdauen und anzuwenden. Er war keineswegs langsam im Denken, nein, ganz und gar nicht, und er war auch nicht stumpfsinnig, sondern durchaus kritisch und vorsichtig, was die Aufnahme neuer Ideen und Handlungsweisen anging. Das Ergebnis gefiel ihm natürlich, aber mit dem Weg dahin hatte er sich noch nicht so recht anfreunden können. Die Mitmenschen verstoßen? Alles aufgeben, woran man sich bisher gehalten hat? Klettern, während man ausgelacht wird? An sich glauben, wenn sonst keiner mehr an einen glaubt? So unfair konnte die Welt doch nicht sein!<br />„Es gibt kein fair oder unfair. Es gibt nur Tatsachen“, sagte der Tod und stieß den Mann in die Dunkelheit.<br /><br />Der junge Mann wachte vom Geräusch seines eigenen Magenknurrens auf. Sein Kopf brummte, und er erinnerte sich vage an einen Traum. Der Tod war darin vorgekommen, und mit der Liebe hatte er über irgendetwas gesprochen. Er konnte sich nicht mehr erinnern. Was er jedoch noch wusste, war, dass das Seil nicht umsonst über der Bergspitze baumelte. Das Seil war die Lösung. Er musste schnellstens da hin.<br /><br />Auf der Bergspitze angekommen, bemerkte er ein Lichtermeer, das auf ihn zukam. Menschen mit Fackeln und Kerzen, die auf der Suche nach ihm waren. Die sein Vorhaben erahnt hatten. Die ihn am Boden halten wollten. Einer seiner Freunde eilte allen voran – in den Händen hielt er einen gespannten Bogen. „Hey“, schrie er. „Wenn du das Seil auch nur berührst, werde ich meinen Pfeil darauf loslassen! Ich lasse es nicht zu, dass du dich umbringst!“ „Wir lassen es nicht zu, dass du uns verlässt!“, schrieen andere. „Bleib hier! Bleib!“<br />Die Frau in den Wolken blickte herab und lachte schallend.<br />Der junge Mann wusste, dass er allein war. Niemand unterstützte ihn. Niemand verstand ihn. Niemand erwartete ihn am anderen Ende des Seils. All seine Liebe, all sein Vorhaben hing ganz von ihm allein ab. „Ich möchte euch nicht wehtun!“, rief er der Menschenmenge zu. „Bitte, kommt nicht näher!“ Und er ergriff das Seil und begann, sich an ihm hochzuziehen. Sofort schnellte ein Pfeil los und schoss genau auf den Strick einige Meter über seinem Kopf zu. Nichts geschah.<br />`Verfehlt`, dachte der junge Mann und kletterte weiter. Er bemerkte keinen einzigen der kleinen Eiszapfen, die herabschossen und die Pfeile zerbrachen.<br /></div><br /> <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 23:25:02 +0200</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<title>Lessons learned</title>
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<description><![CDATA[<br />
<br /><div style="text-align: justify;">Norwegen ist klein. So klein, dass zwei Fahrräder und ein Wohnwagen es fertig bringen, sich innerhalb einiger Tage drei Mal über den Weg zu laufen. Oder zu fahren. Das erste Mal haben wir alteingesessene Schweden dem holländischen Rentner-Ehepaar den richtigen Weg zum großen Wasserfall gewiesen, den wir am Tag zuvor bereits besucht hatten. Beim zweiten Mal haben sie uns vier Tage später auf dem Weg nach Selbu, nun schon in Norwegen, überholt, wiedererkannt (Die Gitarre macht uns berühmt!!) und auf einem Rastplatz auf einen Saft und Plausch eingeladen. Beim Abschied scherzten wir noch: &quot;See you in Trondheim!&quot;, doch es sollte nicht bei dem Scherz bleiben. Auf dem Storsand Camping unweit von Trondheim liefen wir erneut in die beiden - dabei war es nicht einmal der einzige Campingplatz in der Umgebung. Diesmal liehen wir uns ihre Pfanne, um die vier Fische zu braten, die Val an seinem Geburtstag gefangen hatte, und luden Piet und Nel zum Essen ein. Nels Kommentar: &quot;Ich habe heute Geburtstag und darf so leckeren Fisch essen - das werde ich nicht so schnell vergessen!&quot;. Geburtstag am 23. Mai? Manche Zufälle häufen sich mit einer statistischen Unmöglichkeit. Aber Norwegen ist klein. Das erklärt alles... <br />Die Überfahrt nach Norwegen verlief übrigens recht schmerzlos. Wir kehrten dem Fulufjälletpark den Rücken zu, fuhren unseren letzten Schotterweg bis an die Provinzstraße, und rollten recht einsam weitere 15 Kilometer, bis wir vor einem Schild Halt machten, um es zu fotografieren: &quot;Riksgräns Norge&quot;. Am 16.05.09 fuhren wir also nach 2802 km seit dem Start in Oettingen in Norwegen ein. Das Begrüßungskomitee blieb aus, es änderten sich leicht der Straßenbelag und die Farbe der Straßenschilder, ansonsten blieb alles beim Alten. Wir fuhren noch immer. Am offenen Nationalpark am Femunden-See hatten wir endlich einmal Safari-Glück: Eine ansehnliche Anzahl an Rentieren lief vor uns über die Straße und verschwand so schnell außer Sicht, dass wir keine Chance hatten, unsere Kamera hervorzuholen. Schade... <br />Dem Norwegischen Ministerium für Infrastruktur sollte ich eigentlich ein großes Lob aussprechen - die Schotterstraße in Schweden war für uns tatsächlich die letzte Schotterstraße für eine lange Zeit. Leider liegt das weniger an einem ausgebauten und asphaltierten Straßennetz - sondern vielmehr an der simplen Tatsache, dass es hier viel weniger Straßen gibt als wir es von Deutschland oder Schweden gewohnt sind. Und die wenigen Straßen sind natürlich Autostraßen. Und die sind natürlich asphaltiert. Andererseits gibt es vermutlich so wenige Straßen, weil hier so wenige Autos fahren. Das wiederum wirkt sich positiv auf uns aus: kaum Verkehr und trotzdem gut befahrbare Straßen. Danke, Norwegen! <br /> Im Gegensatz zu den Straßen wird nicht an Bergen gespart. Die einzige größtenteils ebenmäßige Straße, an die ich mich erinnern kann, ist die zwischen Engerdal am Femundensee und Röros. Die war so ebenmäßig, dass wir es an einem einzigen Tag auf 115 km brachten - absoluter Rekord seit unserem Start in Datteln. Ganz freiwillig war die Leistung jedoch nicht - wir hatten unseren Proviant verbraucht und keine einzige norwegische Krone in der Tasche und bemühten uns deshalb, eine größere Stadt zu erreichen, Geld abzuheben und einzukaufen. Auf den letzten Kilometer vor der UNESCO Welterbestadt Röros zogen uns Straße und Räder und hielten uns im Gleichgewicht - wir selbst waren kaum noch bei Bewusstsein, Hunger und Müdigkeit hatten uns in ein dunkles Loch gezerrt und unsere Reserven vollständig aufgezehrt, so dass wir uns gerade noch ans Lenkrad klammern konnten, um nicht aus dem Sattel zu kippen. In einer Parkbucht am Straßenrand teilten wir uns unser letztes Stück schwedischen Käse und rollten schließlich mit halbgeöffneten Augen in der Stadt ein, wo wir tanken konnten. Wir überraschten und selbst, als wir eine 1-Liter Packung Eis kauften und sie sogleich verputzten - und das an einem regenträchtigen, kühlen Tag. Anstrengung braucht Ausgleich. <br />So begann also unsere Odyssee durch Norwegen, dem Land, in dem ein Kilo Tomaten vier Euro kostet, in dem vereinzelte Elchkühe zwischen den Bäumen galoppieren und 12-jährige Kinder sich problemlos auf Englisch ausdrücken können. Tagaus, Tagein fuhren wir unsere Anstiege, froren auf 900 Metern Höhe, bereiteten uns oftmals zitternd und durchnässt unser Mittagessen zu, suchten nach ebenen und abgelegenen Zeltplätzen, bewunderten die tausend Wasserfälle und Bergflüsse, die unsere Talstraße in Richtung Selbu säumten. Es war verregnet und hügelig, doch die Schwierigkeitsstufe lag noch meilenweit vom Maximum entfernt. Es sollte noch viel verregneter und steiler werden. Und wahrscheinlich werden uns die steilsten Straßen Norwegens empfangen, wenn wir erst einmal gen Süden fahren. Doch dies ist eine Trainingsreise, und sie hat sich für uns in Etappen eingeteilt, die unser allmähliches Stärkerwerden fördern, ohne uns bereits am &quot;Fuße des Berges&quot; zerbrechen zu lassen. Das war nicht geplant - als ich mir die Route überlegte, richtete ich mich nicht nach dem Relief. Doch scheinbar richtete sich das Relief der Route nach mir - es kletterte gemächlich und nach und nach auf seine Höhen. Beginner's luck. <br />Trainingsreisen sind eine interessante Sache, denn sie verlangen nach ihrem Abschluss immer den Beginn einer weiteren Reise, während der all das trainiert werden soll, was während der vorhergehenden Reise schief gelaufen ist. Auch meine allerletzte Reise wird höchstwahrscheinlich eine Trainingsreise sein. <br /><br />Die erste war Nagasaki. Wäre ich die nicht gefahren, würde ich vielleicht gar nicht fahren. Auf dem Weg nach Nagasaki habe ich erst begriffen, dass es möglich ist. Dass alles möglich ist. Da habe ich gelernt, dass ich durchhalten kann. Dass meine Grenzen dehnbar sind. (Vergessen wir der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit halber nicht die große Spritze Glück für meine nicht zu leugnende hartnäckige Eitelkeit und mein Bestreben, anders zu sein, die mir diejenigen verpasst haben, die meinen Willen und mein Durchhaltevermögen bewunderten...) <br />Die zweite Trainingsreise war die von Adelsdorf nach Pottenstein. Da haben wir gelernt, dass man nicht zu zweit in einem Schlafsack schlafen kann, dass es schön wäre, ein Zelt zu haben (Obwohl man in Deutschland im Oktober durchaus unter freiem Himmel schlafen kann, wenn man sich eine Mütze überzieht), und dass Rucksacktragen zum Wandern gehört und nicht zum Fahrradfahren. <br />Auf der dritten Reise lernten wir, dass man in drei Tagen von Erlangen nach Wittenberg kommen kann, aber nicht bis Berlin. Wir lernten, dass die B2 nicht der ideale Ort zum Fahrradfahren ist, dass man sein Zelt mindestens einmal aufgestellt haben sollte, bevor man losfährt, dass man ausgeruht starten sollte, und nicht nach einer Stunde Halbschlaf oder nach 12 Stunden Arbeit in der Küche, dass man es vermeiden sollte, in Großstädten zu stranden, wenn die Nacht hereinbricht, und dass man wasserdichte Klamotten dabeihaben sollte. &quot;Regensachen&quot; ist eine unserer wichtigsten Lektionen. Kein Vorankommen ohne Regensachen!! <br />Dann kam die vierte Reise - Oettingen Hannover. Hier setzte ich bereits gewonnenes Wissen in die Tat um: wir wussten, wie unser Zelt funktionierte, die Route verlief entlang der großen Flüsse und nicht an der Bundesstraße, und wir hatten Regencapes dabei. In Bad Kissingen lernten wir, Mama, Papa und ich, dann unter<br />
strömendem Regen eine weitere Lektion: billige Regencapes aus dem Aldi taugen nichts. Man kann sich darin vielleicht noch an den Straßenrand stellen und warten, bis der Regen vorüberzieht, doch Fahrradfahren kann man darin ganz und gar nicht. <br />Die Monate darauf verschwand Valeras und mein Lohn in den Kassen diverser Outdoorshops, in denen wir Schlafsäcke, Wanderschuhe, Regenbekleidung, Handschuhe etc. einkauften. Immer die günstigsten Exemplare, die dennoch unseren Ansprüchen gerecht zu werden schienen. Der psychologische Effekt dieser allmählichen Ausstattung entging mir keineswegs - wenn die Ausrüstung erst einmal da ist, kann man sich nicht mehr vor der Reise drücken, selbst wenn man gerade keine klare Lebensaufgabe, kein Ziel vor sich sehen kann. Unbewusst spürt man, dass die Reise zum nächsten Ziel führen wird, und man beginnt, auf die Steinchen zu treten, die man vor sich gelegt hat. Und wenn man dann eine Weile von Steinchen zu Steinchen gehüpft ist, kann man es sich zwar nicht mehr erklären, weshalb man auf das erste Steinchen getreten ist, woher man überhaupt die Motivation, den Mut genommen hat (vielleicht war es nur ein verzweifelter Fluchtversuch?), aber man weiß genau, dass man auf das nächste Steinchen treten möchte, weil es darauf so vieles zu lernen gibt. Weil man gierig ist nach neuen Lektionen, nach Unterweisungen des Lebens, nach Erkenntnissen. Und nach der wiederholten Bestätigung der starken Empfindung, dass man gerade auf dem richtigen Weg ist. Dass man etwas tut, was man tun wollte, auf eine Weise, auf die man es tun wollte. <br /><br />Wer seine Träume verfolgt, trifft auf dem Weg unweigerlich neue Träume, neue Möglichkeiten, und landet vielleicht eines Tages bei der Erkenntnis, dass der Mensch lebt, um die Welt mit seinem Glück zu bereichern, und dass das eigene Glück im Glücklichmachen anderer entspringt. Das Leben legt uns oftmals Steine in den Weg, und vielleicht sollten wir uns häufiger die Frage stellen, ob diese Steine als Hindernisse oder als Baumaterial gedacht sind. Und die Steine, die in Form von Fehlern und Niederlagen vor uns herunterbrechen und uns den Weg versperren, können gute Hilfsmittel sein, wenn es darum geht, echtes Glück von kopiertem, falschem, sich eingeredetem Glück zu unterscheiden. Und das ist verdammt wichtig. <br />Doch was hat das alles mit Fahrradfahren zu tun? Ja, richtig, wir sind auf einer Reise. Und eine Reise bringt Erkenntnisse mit sich. Manchmal schwer zu formulierende Erkenntnisse, manchmal solche, die schon lange als Binsenweisheiten existieren, doch was bringt ihre bloße Existenz, wenn man sich ihrer nicht bewusst ist? Eine Reise bringt Erkenntnisse mit sich, auch die Einsicht, dass &quot;Reisen&quot; nicht unbedingt &quot;Fahren&quot; bedeuten muss. Wer sich nicht treiben lässt, der reist. Der Reisende bewegt sich, verändert sich und verändert die Welt. Und nicht anders als einer, der sich durch den Raum bewegt, ist einer, der sich durch die Zeit bewegt, ein Reisender. Ein Mensch pflanzt einen Garten und betrachtet seine Veränderungen durch die Jahreszeiten. Er erntet die Früchte, er jätet Unkraut, er sieht Blumen aufwachsen und absterben. Er zieht Bäume hoch, die noch Jahrhunderte nach seinem eigenen Tod stehen werden. Er verändert sein Haus, gestaltet seinen Garten und damit immer ein Stück von sich selbst. Der Mensch reist durch den Lauf der Zeit, anstatt sich von ihr ins Alter tragen zu lassen. Selbstständige Bewegung und wahrgenommene Veränderung sind es, was das Reisen ausmacht. Nicht bloßes Fahrradfahren :) <br /><br />
Erlaubt mir, zu den konkreten Lektionen dieser Reise zurückzukehren. Die Wochen unterwegs durch Norwegen haben uns eine Menge über Deutschland gelehrt. Wir können inzwischen gut verstehen, wenn Leute nach Norwegen in den Urlaub fahren, aber lieber in Deutschland ihren festen Wohnsitz haben. Deutschland ist nicht nur um einiges günstiger, nein - Das Brot ist auch viel besser. Deutschland hat Bäckereien an jeder Ecke - in Norwegen sind sie ausgestorben, die großen Fabriken haben sie in den Boden getrampelt, ein bisschen Trauermarsch geblasen und auf ihren Knochen ein von &quot;E's&quot;, von chemischen Stabilisatoren und Enzymen und Emulgatoren geprägtes Monopolimperium aufgebaut. Mit dem Großteil der Produkte der norwegischen Brotindustrie sollte man lediglich Hühner füttern. Einen Schuldigen haben wir bereits auf einem Campingplatz in Rakvag getroffen - da, wo wir zehn Tage gewohnt und ein Hüttchen rot gestrichen haben - er war Chef einer Fabrik, die für COOP, wohl die größte Supermarktkette hierzulande, Lebensmittel herstellt, darunter Brot. Wir konnten nicht verstehen, wie ein so netter Mensch so schlechtes Brot produzieren kann. Aber so ist die Welt... <br />Deutschland hat nicht nur besseres Brot, sondern auch bessere Fahrradreifen. Wir haben es nicht geschafft, vernünftigen Ersatz für unsere abgeriebenen<br />
Continental-Unplattbarreifen zu bekommen und mussten uns mit gewöhnlichen Reifen zufrieden geben. Zum Glück liegt hier so gut wie kein Glas auf den Straßen. Wir müssen jetzt nur bei den Dornen auf den Waldwegen ein bisschen aufpassen. Ein großes Lob übrigens an Continental: fast 4000 Kilometer ohne einen Platten trotz Schlaglöcher, Schotter, Gestrüpp und Glas (in Deutschland :) ), das ist echte Qualität. Außerdem gibt es kein Ersatzlämpchen für mein erloschenes Vorderlicht. Zum Glück gibt es hier auch keine dunklen Nächte, in denen ein Scheinwerfer zum Einsatz kommen müsste. <br /><br />Ansonsten haben wir wieder eine Menge fürs Leben gelernt. Zum Beispiel, dass man nur zwei Bretter braucht, um eine Brücke über einen Fluss zu bauen, der einem beim Wandern den Weg versperrt. Und dass man in einem menschen- und häuserlosen Nationalpark ohne Hinweis auf Eingriffe der Zivilisation auf jeden Fall zwei Bretter am Ufer eines Flusses vorfindet, wenn man sie braucht. [....] Einen Fluss zuvor waren es ein als Stütze genutzter Holzpfahl und ein Haufen Steine gewesen, die uns ein weitestgehend trockenes Übersetzen ermöglicht hatten. Wer seinen Weg sucht, wird seine Brücken finden... <br />Dann haben wir noch gelernt, Mastermind im Kopf während der Fahrt zu spielen. Das lenkt schön von harten Auffahrten ab und trainiert zusätzlich die Vorstellungskraft. Wir haben gelernt, dass es gar nicht so einfach ist, einem Bergbach ins Tal zu folgen, zumal dieser immer wieder von Wasserfällen unterbrochen wird, was teilweise gefährliche Kletterpartien erfordert. Wir haben gelernt, dass man Hunderttausend Grashalme nebeneinander legen und vergleichen kann, ohne darunter zwei vorzufinden, die einander identisch sind. Und dass man deswegen nie auf das Trugbild hereinfallen darf, das einem vorgaukelt, alles würde immer gleich bleiben und stillstehen, ein Ort wäre so wie der andere (denn wenn man sich dessen bewusst ist, dass alles einzigartig und in Bewegung ist, erlaubt man es sich selbst womöglich auch, sich zu bewegen und etwas Besonderes zu sein. Zumindest zeigen meine Beobachtungen, dass Menschen oft für die Dinge die zu tun sie nicht gewohnt sind, zunächst eine Rechtfertigung oder einen Grund brauchen.) <br />Wir haben gelernt, dass manche Menschen (d.h. Valera) von der Welt zu ihrem Geburtstag beschenkt werden. Nicht nur mit reichlich Fisch (ich wusste doch, dass wir an den Fjorden Glück haben werden!), sondern auch mit einem Dinosaurier- Rocker-&quot;Whitesnake&quot;-Konzert, das zufälliger Weise am 23.5 in Trondheim stattfand und vom Bürgersteig aus durch eine Lücke in der Abdeckung kostenlos miterlebt werden konnte. &quot;Und ich habe erst vor Kurzem gedacht, wie toll es wäre, wieder mal ein bisschen Rock zu hören...&quot; Tja, Geburtstagswünsche sind scheinbar etwas Heiliges :) <br />Und dann haben wir beim Wandern noch das alchemistische Gesetz vom äquivalenten Tausch verinnerlicht. Auf unserem Pfad durch Hagel, Nebel und Schneefelder ist uns unsere Teekanne abhanden gekommen, die an der zum Rucksack umgetauften Gitarrentasche gebaumelt hatte. Als es uns aufgefallen war, greinten wir lange ob des verlorenen Schätzchens, beschlossen aber letztendlich, die Kanne dem nächsten Wanderer zu schenken, und platzierten die übrig gebliebenen Griff und Deckel gut sichtbar an einem Baum am Wanderweg. Einige Kilometer weiter kamen wir an einem Baum vorbei, in dessen Zweigen eine alte Teekanne baumelte... So als wollte uns die Welt sagen: &quot;Hier, bitte, ihr habt doch da was verloren!!&quot; Leider war die Kanne schon zu ramponiert, so dass wir beschlossen, sie hängen und den nächsten Wanderer über das Geheimnis des &quot;Pfades der zwei Teekannen&quot; grübeln zu lassen. Aber nun wissen wir - wenn wir mal eine Teekanne brauchen, wird sie am nächsten Baum hängen. Und die Bretter werden am Fluss liegen, wenn wir ihn überqueren müssen. Und wenn wir einer Bergstraße folgen, die uns in die falsche Richtung führt, wird oben jemand stehen, der sich ins Auto setzt und uns zur richtigen Straße hinausführt. [...]<br /><br />
Wir lernen die Dinge zu schätzen, die für uns bereits unverzichtbar geworden sind. Ganz oben stehen die Rückspiegel an den Fahrrädern. Ich habe schon ganz vergessen, wie es ist, sich ständig umdrehen und nach Freund (=Freund) und Feind (=Autos) Ausschau halten zu müssen. Und Rückspiegel sind natürlich auch Spiegel, und Spiegel sind natürlich an sich schon unverzichtbar. <br />Dann kommt die Thermoskanne. Es ist toll, immer heißen Tee dabei haben zu können. Wobei ich anmerken muss, dass unsere Ansprüche bereits so tief gesunken sind, dass wir zu heißem Wasser &quot;Tee&quot; sagen, da wir keinen Tee haben, aber das heiße Wasser auf uns bereits die selbe Wirkung hat wie Tee - es beruhigt, wärmt und schenkt ein paar Minuten Strampelpause. Auch in anderen Sphären haben sich unsere Ansprüche verändert. Ein abgeschleckter Löffel kann schon mal als &quot;sauber&quot; durchgehen, ein abschüssiger oder hubbeliger Zeltboden wird irgendwie &quot;überschlafen&quot;, und heißer Haferbrei kann uns am kalten Morgen wie ein Festmahl erscheinen. Wenn man die Spinne im Zelt nicht mehr sehen kann, &quot;ist sie nicht mehr da&quot;, wenn Kleidung zerknittert und Fahrradöl-gezeichnet ist, ist es &quot;nun mal so, wenn man Fahrrad fährt&quot;. Gleich geblieben sind die Ansprüche jedoch, wenn es um täglich frische Socken geht. Das hat sich lediglich in den letzten Tagen geändert - es ist endlich warm genug, um ohne Socken zu fahren. :) <br /> Das vorerst letzte Unverzichtbare (wobei wir nichts dabeihaben worauf wir eigentlich auch verzichten könnten) ist unser wasserdichtes Zelt. Als wir vor unserem Start das kleine 25 Eur Zelt im Garten aufgestellt und eine Nacht darin verbracht hatten, wurde mir eines klar: ich will kein tragbares Gefängnis mit auf meine Reise nehmen - lieber übernachte ich dann im Freien, als jeden Morgen von Kondenswasser und durchsickerndem Tau vollgetropft zu werden und an der stickigen Luft zu ersticken. Als Mensch brauche ich anscheinend zumindest einen Platz, an dem ich in Ruhe schlafen kann. Ansonsten kann ich nicht erholt die tägliche Fahrt antreten. Wir kauften uns also ein neues Zelt - mit 150 Euro das Billigste im Angebot - und waren seitdem nicht selten dankbar für die schützenden &quot;vier Wände&quot; und das dichte dach über dem Kopf, das uns vor Regen, Kälte und Mückenbeschützt. Es ist einfach toll, nach einem kalten, feuchten Tag irgendwo zu halten und zu wissen, dass man einen trockenen Raum dabei hat, in den man sch nach wenigen Minuten Arbeit bereits flüchten und von der Außenwelt abschirmen kann. Es ist toll, ein Zelt zu haben. <br /> Ich wünschte, es gäbe auch portable Bad- und Klohäuschen. mit Abfluss und Wasseranschluss. Leider ist dies nicht der Fall - zumindest nicht für Fahrradreisende erhältlich, und somit hat es ein Mädchen natürlich zusätzlich schwer, ein Mädchen zu bleiben. Nein, natürlich spreche ich nicht von mir. Ich bin doch kein Mädchen. ich bin jemand, der Fahrrad fährt, das Mädchen-Sein habe ich doch schon längst aufgegeben. Oder etwa nicht? oder ist da etwa doch noch ein eitles, kleines Ding in mir, das zu oft in den Rückspiegel schaut? ich gebe zu (beschämt!!), ich versuche auch unterwegs, hübsch zu bleiben. Nach Möglichkeit. Ich dachte, es würde mir gleichgültig werden, habe noch extra geheiratet, da verheiratete Frauen sich ja bekanntlich weniger um ihr Aussehen zu kümmern brauchen, aber nein - die Eitelkeit will mich einfach nicht verlassen. Welch Qual, welch Plage! Plage, wenn das Gesicht von Mücken zerstochen wird und an die goldenen Teenager-Zeiten erinnert. Qual, wenn man nach drei durchgeschwitzten Tagen immer noch nicht heiß duschen durfte. Aber anscheinend halten mich all diese Martyrien nicht davon ab, weiterhin unterwegs zu sein. Scheinbar glaube ich daran, noch die nötige - oder mögliche – Balance zu finden zwischen Abenteuer und Weiblichkeit. Vielleicht suche ich auch nach dem Beweis, dass Weiblichkeit nicht an vier Wände und ein Bad mit Wasseranschluss gekettet ist, sondern überall existieren kann. Und, merkwürdigerweise, überall existieren möchte. <br />Manche der Menschen, denen wir unterwegs begegnen, bezeichnen es als etwas keineswegs selbstverständliches, dass eine junge Frau das macht, was ich mache. Interessanterweise hat mich das Frau-Sein noch nie davon abgehalten, etwas Anstrengendes zu tun oder von einer solchen Reise zu träumen. Mag sein, dass sich viele Frauen stets von der Seite betrachten, sich somit als Frau wahrnehmen und sich so zu viele angelernte Klischees anheften. Ich vergesse manchmal gänzlich, wer oder was ich bin, ich weiß nur, dass ich mein Fahrrad diesen Berg da hochbekommen muss, egal, wie viel Kraft es mich kostet, und dass ich noch etliche Kilometern strampeln muss, bevor ich mich ausruhen darf. Ich sehe mich einfach nicht von außen. Somit ist es egal, was andere Menschen einer jungen Frau zutrauen und was nicht - ich traue mir alles zu, wofür ich mich entschieden habe. <br />
<br />Das heißt leider dennoch nicht, dass ich mich jederzeit, wie eine gewisse andere Person, nackt ausziehen und im Fluss waschen kann - erst muss ich einen gut verdeckten, versteckten Ort finden, an dem ich das tun kann. Da sind sie wieder, die weiblichen Komplexe - na wartet, euch werde ich auch noch los. <br />Was machen wir, wenn wir nicht gerade fahren oder schlafen? <br />Angeln zum Beispiel. Am meisten Spaß macht es vom Boot aus, da bekommt man die meisten Fische. Den größten Dorsch habe bisher ich rausgezogen, dafür geht der einzige Seelachs auf Valeras Konto. Boot fahren macht keinen Spaß, wenn es Wellen gibt. <br />Wir spielen auch Gitarre. Wir werden Zeuge eines Wunders, das sich &quot;gehörloser Junge lernt singen&quot; nennt. Wir - das heißt ich - versuchen, ein mechanisches Mastermind-Spiel zu entwickeln. Klappt ganz gut, wird aber ein Riesen-Kasten werden. Wir haben uns auch Erweiterungen für die Fahrräder ausgedacht (in der Mittelstangen eingerollter Alutisch, z.B.) und beschlossen, eine Kibitka zu bauen, vor die man zwei Fahrräder spannen kann. <br />Und wir geben unser Proviant-Geld für Bücher aus. Wir können einfach nicht mehr anders. Valera versucht sich an einem englischen Murakami, ich habe mir Coelho auf Norwegisch vorgenommen. Es macht Spaß, eine neue Sprache zu verstehen! Mit jeder neuen wird es leichter, die nächste zu lernen [bald kann ich sie alle....!!! :) ] <br /> <br />Ich möchte noch eine Menge lernen. Vor allem möchte ich lernen, in einer Welt zu überleben, die mich täglich vor neue Herausforderungen stellt. Und ich möchte währenddessen Möglichkeiten erkennen und diese nutzen, auch ohne zu wissen, wo sie mich hinführen. Doch letztendlich weiß nie jemand, wo ihn sein Leben hinführen wird. <br />Ich weiß noch, wie mich das Mädchen, das mit mir als Aushilfe im Sportland Bistro gearbeitet hat, fragte, ob ich denn keine Angst hätte, ohne einen konkreten Plan im Leben durch die Welt zu reisen. Ob mir dann nicht die Sicherheit fehlte, die man fühlt, während man einen Beruf erlernt oder sich auf ein konkretes Ziel zu bewegt. Nein, habe ich geantwortet, aber ich konnte das nicht wirklich begründen. Vermutlich, weil das &quot;Nein&quot; als Antwort unzureichend war. Womöglich habe ich einen konkreten Plan. Ich plane, alles zu lernen, was ich lernen möchte, denn wenn ich etwas gelernt habe, kann ich etwas tun, und wenn ich etwas tun kann, werde ich für mein Leben sorgen und weiter lernen können. Ich fühle nie Sicherheit, wenn ich mich einer einzigen Sache widme, mich auf etwas Konkretes spezialisiere, mich auf ein einzelnes Ziel zu bewegen. Im Gegenteil, dann verliere ich meinen vielseitigen Halt im Leben. Nichts kann auf nur einem Beinchen stehen. Und ich habe hundert Arme, und die müssen alle um irgendetwas greifen, sonst fühle ich mich nicht sicher. Sonst stehe ich verloren da und starre auf den einzigen Trampelpfad vor mir. <br />Ich weiß noch nicht, was wir machen werden, wenn wir erst einmal zurück sind. Viel arbeiten und viel sparen, um den neu entfachten Traum vom eigenen Geschäft (ein Hostel in Schweden?) verwirklichen zu können? Um den Eltern zur Rente einen Wohnwagen und Reisegeld schenken zu können? Um uns den ebenfalls noch bestehenden Traum von der Fahrrad- oder Wanderweltreise erfüllen zu können? Oder irgendetwas gänzlich anderes? Wir wissen es nicht. Doch Ideen gibt es in Hülle und Fülle. Und wo Ideen sind, da sind auch Möglichkeiten. <br />Ach ja, zuallererst setze ich mich an meinen vor langer Zeit angefangen Roman. Mein Kopf platzt bereits vor neuen Ideen. <br /></div><br /><br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 21:23:58 +0200</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<title>Mitternacht</title>
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<br /><br />
<div style="text-align: center;"><br /><br /><br /><span style="font-weight: bold;">   Blicke nach Norden</span><br style="font-weight: bold;" /><span style="font-weight: bold;">Du bist gestrandet im Licht</span><br style="font-weight: bold;" /><span style="font-weight: bold;">Es gibt keine Nacht</span><br /> <br /></div><div style="text-align: center;"><br /></div><br /><br />
<br /><br />
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<br /><br />
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 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 11:08:52 +0200</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<title>Long road out of Sweden</title>
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<description><![CDATA[<br /><br /><em>This is to you, my friends :]</em><br /><br /><em>check out the melody before you read the text... I doubt all of you know this great Eagles-song :]</em><br /><br /><a href="http://www.youtube.com/watch?v=QHIROoYpRyQ">http://www.youtube.com/watch?v=QHIROoYpRyQ</a><br /><br /><br /><strong>Long road out of Sweden</strong><br /><br />V1:<br />Sun shining though it is night<br />wheels stop moving on the sand<br />the next shower drifts so far out of sight<br />dusty boots and aching, trembeling hands<br />something is pulling us so we're going on<br />but we've promised to come back<br />over the ocean in Bavaria<br />they're never losing our track<br /><br />R1:<br />Raindrops playing on the surface of an endless sea<br />steep and dirty roads, woods and mountains passing by<br />people come to help us, friendships being born<br />we're pilgrims and we're vagabonds, but never feel forlorn<br />it's still a long road out of Sweden<br /><br />V2:<br />Played some music in a Swedish church<br />on a warm but rainy day<br />rolling up the northern road<br />looking out for a place to stay<br />having lunch between some cut down trees<br />eating cheese and honey, drinking tea<br />&quot;gimme 'nother slice of that tasty, smoked salmon&quot;<br />&quot;gimme 'nother sip of of that cold, sour milk&quot;<br /><br />R2:<br />Trees are shivering, birds are twitting some tune<br />we're riding up to Trondheim<br />road map says there will be mountains soon<br />but we are proud and stubborn, clinging to the reins<br />sure as we are our aching legs at least are free from chains<br />but it's a long road out of Sweden<br /><br />R3:<br />Back home I was so scared<br />the road seemed very long<br />but now I can't help thinking<br />this is where I belong<br />I don't know about tomorrow<br />but there's one thing I can say<br />that I'll do anything to have all of you here someday!<br /><br />V3:<br />Racing down the Norwegian mountains<br />through the snowfields and the damp air, past abandoned huts<br />feelings of hunger, cold, despair and dizzyness<br />make us think - we must be nuts<br />been down the road to Nagasaki, the road to Hannover<br />only to learn that my trip will never be over<br />you know, it's hard to stop the driving, once you're on your way<br />but the road to the truth is like a needle in a stack of hay<br /><br />The map i draw is brittle, no matter how far I roam<br />though all my searching through the world it's always leading home<br /><br />Yet it's a long road out of Sweden<br /><br /><br /> <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 23:02:27 +0200</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<title>...and to act as one has chosen</title>
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<description><![CDATA[<div style="TEXT-ALIGN: justify"><span style="FONT-STYLE: italic">Ich hatte gestern Abend ein Prospekt über Norwegen in meinem Briefkasten. Ich hätte es gern gelesen, aber es war nicht mehr in einer besonders leserlichen Form. Es war gefaltet, und geschnitten, und mit grauem Panzertape wieder zusammengeklebt worden, etwas unförmig und nicht mehr ganz rechtwinkelig, und mit provisorischen Adressaufklebern versehen. Es kam angeblich aus Oettingen, denn das stand oben links als Absender: „A.-K.-Str. 4“. Es kam tatsächlich aus Oettingen, aber mit detour, wenn man so will. <br />Über Datteln, Bergen, Rügen, Värnamo, Sälda (…) Irgendwo zwischen Oslo und Trondheim wurde es dann von seinen Besitzern de- und wieder reformiert, frankiert, beschriftet, und auf den Weg geschickt, damit es ein paar Tage später in der Nummer 27 landen konnte, in dem kleinen Schlitz eines Metallkästchens, zu dem ich den passenden Schlüssel habe. Damit ich es entnehmen, mit meinem (einzigen…) scharfen Messer aufschlitzen, und seines Inhalts berauben konnte: 34 DIN A-5 Seiten, eng und krakelig beschrieben, gefüllt mit Erinnerungen und Gedanken, philosophischen Diskursen gleichermaßen wie Aufzählungen von Fakten. <br />Ich will sie euch nicht vorenthalten, liebe Leser, auch auf die Gefahr hin, dass ihr nach der Lektüre eure Backpacks schnappen und in alle Welt ziehen werdet…Bonne voyage!! <br />[Eine kleine Anmerkung noch vorweg: Nett wie ich bin, habe ich den gesamten Text auf den zweitkleinsten gemeinsamen Nenner gebracht und die schönen englischen expressions in harte deutsche Grammatik gepresst. Der erste Teil ist deshalb doppelt gemoppelt…:)] </span><br /><br />Hello, my Two Faced enemy. <br />You were scolding me for not having the time to write postcards on my holiday. Well, now it is raining for the first time since we started, an we’ve decided to use the opportunity to have a recreation day – the first since we’ve started. 23 days and 1500 kilometres without rest, not bad, is it? Well, that’s a holiday... <br />But to speak the truth, it is more recreation than hardship. There’s plenty time to think – so you can recreate your almost rotten and mouldy emotional world and reconstruct your huddled – no, cuddled – no, muddled thoughts. There’s plenty of time to think about freedom, which is, of course, to have a choice, or to create a choice whenever you have no, and to choose actively. This is the ultimate feeling of freedom, and it has nothing romantic about it, there is no high emotion as you maybe expect freedom to feel like – no, it’s like a change in your mental state, nothing more. <br />As always, I do not know what I’m doing or why I am doing exactly this, don’t know whether it is productive or efficient, whether someone will ever gain any profit from it, but I know that I’ve chosen it, like I could have chosen anything else. Like I will choose any further step anew. <br />This is not to see Norway in the first place. This is not even to learn how to live in unusual surroundings, how to extend your physical possibilities and abilities. This is to learn to decide, and to do whatever you’ve decided to do. Learning the hard way. <br />But then, there are of course a lot of new skills you have to learn – or, you are able to learn, on such a trip. Organization, orientation, dealing with cold weather without a warm shelter, keeping up habits of civilization...and being concentrated throughout. The last one is something I’ve never been able to achieve in my “usual” way of life. Here, I have to live every single day. Live day and night. Mornings and evenings alike. Live every minute and every kilometre. I have to think about every detail of daily life, never loosening the grip. <br />Do we have to get to a big city to buy food or water? Which bread is the cheapest one? Which fruits do we need today? Where’s the right road? Is there a car behind me? Where to pitch our tent? Where to go next? <br />Absolutely no time to get depressed, to do nothing. And no need to. 23 days of pure life. It feels like inhaling pure oxygen. Looking for the balance between laziness and relaxation, between overwork and a proper distance. (life, but not survival yet. We only struggle with ourselves...I wonder what freedom may lie in the struggle for life...) and I wonder whether the freedom to choose is a luxury in this world, or simply considered a luxury by those who don’t know what or how to choose. I’d love to think it is there for anybody...in whatever form... <br />Now, maybe I should stop talking about freedom and other things I do not understand :) and summarize my impressions on the journey so far, so you can put them online if you like to. If you like, you can also “tipple” the letter and put it into a readable form for everybody (I couldn’t help writing in English...:( ) <br />Let’s proceed in Tyska. That is, Deutsch. Sonst ist es wirklich unfair…[…] <br /><br />Hallo, mein zweigesichtiger Feind. <br />Du hast mich geschimpft, dafür, dass ich dir keine Postkarten schicke. Und nun regnet es, zum ersten Mal seit wir losgefahren sind, und wir habe beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen und uns einen „Tag der Erneuerung“ zu gönnen – den ersten seit Beginn unserer Reise. 23 Tage, 1500 Kilometer ohne Ruhepause – nicht schlecht, oder? So was nennt man Urlaub… Aber um ehrlich zu sein, dieser Urlaub ist mehr Erholung als Anstrengung. Man hat massenweise Zeit, um nachzudenken, und seine – beinahe verrottete und schimmelige - emotionale Welt neu zu erschaffen und seine zusammengekauerten, nein, zusammengekuschelten- nein, verworrenen Gedanken zu ordnen und neu aufzubauen <span style="FONT-STYLE: italic">[anm.: das Wortspiel „huddled-cuddled-muddled“ geht auf Kosten der Übersetzerin…]</span>. Wir haben viel Zeit, um über Freiheit nachzudenken – Und das bedeutet natürlich, eine Wahl zu haben, oder da, wo man keine hat, eine zu erschaffen, und diese aktiv zu wählen. Das ist das höchste Gefühl von Freiheit, und daran ist nichts romantisch. Freiheit ist kein erhabenes Gefühl, wie man es sich vielleicht vorstellt. Es ist lediglich eine Wandlung des geistigen Zustandes, nichts weiter. <br />Wie immer weiß ich nicht, was ich tue oder warum ich gerade das tue. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist oder effizient, ob jemand jemals daraus etwas wird schöpfen können. Aber ich weiß, dass ich es mir ausgesucht habe, so wie ich auch etwas anderes hätte wählen können. So wie ich jeden meiner weiteren Schritte wählen werde. Es geht mir in erster Linie nicht darum, Norwegen zu sehen. Es geht mir nicht mal darum, zu lernen, wie man unter ungewöhnlichen Bedingungen lebt, wie man seine körperlichen Fähigkeiten weiter ausbaut. Es geht mir darum, zu lernen, wie man Entscheidungen fällt, und das tut, wozu man sich entschieden hat. Und ich lerne es auf die harte Tour. <br />Aber natürlich gibt es eine Menge an Dingen, die man lernen muss, oder, die man auf so einer Reise lernen kann. Organisation, Orientierung, mit kaltem Wetter umzugehen, ohne ein warmes Dach über dem Kopf zu haben, die Gewohnheiten aus der Zivilisation beizubehalten…und stets konzentriert zu sein. <br />Dieser letzte Punkt ist etwas, was ich während meines „normalen“ Lebens nie erreichen konnte. Hier muss ich jeden einzelnen Tag leben. Tage gleichwohl wie Nächte. Morgen und Abende. Jede einzelne Minuten leben, jeden Kilometer. Ich muss mir über jede Einzelheit des täglichen Lebens Gedanken machen, und niemals den Griff locker lassen. <br />Müssen wir in eine größere Stadt fahren, um Essen oder Wasser zu besorgen? Welches Brot ist am billigsten? Welches Obst brauchen wir heute? Wo ist dir richtige Straße? Ist ein Auto hinter mir? Wo können wir unser Zelt aufstellen? Wohin gehen wir weiter? <br />Und keine Zeit, um in Depressionen zu verfallen, oder um nichts zu tun. Und kein Grund dazu. 23 Tage vollen Lebens, es fühlt sich an, als würde man puren Sauerstoff atmen. Eine Balance zwischen Faulheit und Entspannung, Überanstrengung und dem richtigen Abstand. (Leben, aber noch nicht Überleben. Bis jetzt kämpfen wir nur mit uns selbst…Ich frage mich, welche Freiheit im Kampf um das Überleben liegt…) und ich frage mich, ob die Freiheit, zu wählen, in dieser Welt ein Luxus ist, oder nur als Luxus angesehen wird, von denjenigen, welche nicht wissen, wie oder was sie wählen können. Ich würde gerne denken, dass jeder es tun kann…auf seine Weise… <br />Na gut, vielleicht sollte ich aufhören, über Freiheit zu reden, oder andere Dinge, die ich nicht verstehe :), und meine Eindrücke dieser Reise zusammenfassen, sodass du sie online stellen kannst, wenn du möchtest. Du kannst auch gerne diese Brief „tippeln“ und ihn in eine für alle verständliche Form bringen (ich konnte nicht anders, als englisch zu schreiben…:( )<br />Lass uns in Tyska weitermachen, also, Deutsch. Sonst ist es wirklich unfair. <br />Schweden ist hübsch. Schweden hat kaum Fahrradwege. Dafür eine Menge Schotterwege, die auf der Karte eingezeichnet und mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 belegt sind. Schweden hat wenig Einwohner, die sich das Land sehr gerecht aufgeteilt haben. Um die Beschreibung etwas übersichtlicher zu gestalten, lege ich eine Stichpunktliste an, denn für einen zusammenhängenden Bericht fehlen mir die Muße und der Tisch… <br />3 Dinge, die mich glücklich machen und den Tag verschönern können: <br />Platz 3: Ein abgelegener Zeltplatz am See mit Möglichkeit, ein Lagerfeuer zu machen Platz 2: Eine heiße Dusche auf einem Campingplatz Platz 1: Genügend funktionierende Klohäuschen am Wegrand <br />Platz 1 ist leider völlig utopisch... <br />Co’s Liste (zensiert <span style="FONT-STYLE: italic">[finde ich gemein. Aber wir wissen es ja auch so…]</span>) <br />Platz 3: Was Leckeres, Süßes essen Platz 2: Einen Fisch fangen Platz 1: Gitarre spielen können <br />Platz 3 hat bisher ab und zu geklappt. Der Rest…naja… <br />Nun zur eigentlichen Liste von A bis Z :) <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Angeln:</span> „Beim Angeln ist echt nichts dabei! Du wirfst die Angel rein und ziehst den Fisch raus.“, Co vor dem ersten Versuch. „Ist doch nicht so einfach, wie ich gedacht hatte...“, Co nach zwei verlorenen Gewichten, einem Futterkörbchen, einem Blinker, einem Haken und zwei Köderfischchen mit Haken. Das alles, natürlich, mit leeren Händen. „Wie ging noch mal dieser Knoten…in der Theorie wusste ich es noch.“ Mal sehen, ob wir an den Fjorden mehr Glück haben… <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Autos:</span> Schweden mögen alte Autos. Am liebsten diese langen Limousinen mit den Flügelchen am Hintern. Und die runden Minitrucks. Und sie stehen nicht nur dicht gedrängt in der Garage, sondern werden auch gefahren. Und manchmal grell pink angemalt. Außen und innen. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Arbeitsteilung:</span> Sehr wichtig!! Junge kocht, Mädchen wäscht Klamotten im Fluss, räumt das Zelt aus, packt Matten und Schlafsäcke und baut Zelt ab. Junge macht Abwasch und kümmert sich um den Müll. Inzwischen ist das sehr eingespielt und effizient. Probieren wir das Mal andersrum, dauert alles doppelt so lang. Tja. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Abhärtung:</span> Sonnenschein und Wasser in der Nähe bedeutet Waschen. Auch wenn das Wasser kalt ist. Hoffentlich gewöhnen wir uns irgendwann daran…Immerhin sind manche hier schon tough genug, um bei Wind und Kälte in bloßer Unterhose ins Wasser zu gehen, um ein zwischen den Steinen verhaktes Angelhäkchen wieder zu befreien. Respekt! <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Ameisen:</span> Beherrschen hier die Wälder, wohnen in großen Haufen aus Tannennadeln und bekrabbeln neugierig alles, was in ihre Sphäre eindringt. Wir versuchen fleißig, einen sicheren und respektvollen Abstand zu bewahren. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Appetit:</span> Dauerbegleiter. Ständiger Heißhunger. Erstes warmes Frühstück nach dem Aufstehen, nach dem Packen wieder Hunger. Zweites Frühstück, drei bis vier Butterbrote, ein bisschen Obst. Nach 20 km wieder HUNGER!!! Vor dem Schlafen wieder Hunger :( Und ständige Lust auf etwas Süßes, auf ein dickes Steak, auf Bratkartoffeln, auf Scampi…aach, ich höre jetzt lieber auf…Dauerhunger ist eine schlimme Sache. Dabei essen wir Unmengen. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Barn:</span> Kinder auf Schwedisch. Schwedische Kinder hüpfen viel und gern auf Trampolins, die hier in jedem Garten stehen. Und sie tragen auf Schulspaziergängen Warnwesten. Sehr praktisch. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Beobachtungshäuschen:</span> eignen sich in Deutschland gut zum Übernachten, wenn man im sumpfigen Naturschutzgebiet gestrandet ist und es bereits stockdunkel ist. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Brot:</span> Wichtig! Täglich gehen pro Person locker 500 g weg. Wir essen inzwischen Brot (wenn auch Schwarzbrot) wie echte Russen. Und Reis wie echte Japaner. Dann natürlich Käse wie echte Franzosen (der ist am günstigsten in 2,2 kg-Packungen à 5,40/kg ^^) und Ketchup wie echte Amis. Ja, und Krautsalat wie richtige Deutsche, denn Kraut gibst für 75 cent/kg :), und Buttermilch (!!). Heißt hier Filmjolk, gibt’s nur in 1L-Packungen und ist richtig dick und lecker. Njam. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Bleibende Schäden:</span> Hoffentlich keine. Vielleicht ein paar Sonnenfalten und Kanapushki, ziemlich zerrissene Hände…wohl nichts Gravierendes. Wenn der Heißhunger bleibt, werden wir nach der Reise noch so maßlos essen, dass wir richtig fett werden. Naja, mal sehen. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Selbstbeobachtung:</span> „Es reicht nicht, die Umstände allein zu ändern“, sagt Co „Man muss sich selbst ändern, damit sich irgendwas für dich ändert. Du bist mit der Allgemeinsituation nicht zufrieden und änderst die Umstände. Das ändert dich noch nicht. Also versuchst du, dich unter den neuen Umständen zu ändern, und erst dann beginnt die Welt, ganz anders auszusehen.“ Witzig, dass Yamada genau dasselbe gesagt hat… <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Briefkästen:</span> stehen hier in Reih und Glied an der Straße, sodass der Postbote in jedem Örtchen nur einmal anhalten muss. An den Briefkästen sind natürlich Reflektoren, damit sie nachts nicht angefahren werden. Und sie sind meist hübsch bemalt – sehr kreativ, die Schweden. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Couscous:</span> Braucht weniger Wasser und Wärme als Reis, vielfältig und universell einsetzbar. Njam!! <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Straßen:</span> Es gibt nicht viele. Aber einige sind sogar gepflastert. Zum Glück. Sie lassen sich einteilen in „hügelig“, „etwas steil“, „ziemlich steil“, „sehr steil“, „unmöglich steil, aber noch zu schaffen“, und „unmöglich steil, und nicht mehr zu schaffen“. Wir haben hier schon unseren Spaß mit den Straßen…schieben müssen wir nur, wenn uns die Räder am Sand oder Schotter weggezogen werden, und wir nicht einmal mehr stehen können. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Undurchdringbar:</span> gibt es nicht. Auch nicht mit den Fahrrädern. Um an entlegene Orte am See und im Wald zu kommen, muss man teilweise ansehliche Kraftakte vollführen und sich durch wildes Gestrüpp schlagen. Aber solange man sich einen Trampelpfad vor sich hin denken kann, kann man ihm auch folgen… <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Wartung:</span> erst die Ausrüstung, dann der Soldat, heißt es in der Armee. So ist das natürlich auch bei uns. Es wird nicht geruht, bevor nicht alles gewaschen und wieder hergestellt ist. Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich unsere treuen, stummen, 2-rädigen Gefährten. Wenn sie nicht laufen wie geschmiert, wird die Strecke zur Qual. Bei unserer ersten Wartung nach 1000 km (…) gingen wir sehr gründlich vor. Co war besonders gründlich mit seinen Pedalen, die ihre Drehkraft verloren hatten und bei jedem Tritt sandig knirschten. Er wollte das Kugellager putzen, schraubte sein Pedal auf, und…ließ die ca. 2mm Durchmesser Kügelchen in die lang ersehnte Freiheit. Nachdem wir drei oder vier von ihnen zwischen Steinchen und Laub wieder eingefangen und in das Pedal geschüttet hatten, war es nicht länger der Sand, der das Pedal verhinderte, sondern die falsch platzierten Kügelchen…Nun ja. Co mühte sich bis zur nächsten großen Stadt in ca. 35 Kilometer Entfernung ab und kaufte sich ein neues Paar Pedale. Warum nicht gleich so. <br />Ansonsten hatte ich zwischendurch noch einen beinahe-Herzinfarkt. Mein Fahrrad fühlte sich schwer und müde an und ich begann zu kippen, als ich versuchte, auf einem steilen Wegstück anzufahren. Ich, stur wie ich bin, hielt es fest und zwang es zurück in die Gerade. Menschliche Sturheit vs. Gravitation – das gibt ein Hinterrad mit schiefer Achse…und das nach einer Tagesstrecke von gerade 35 km… Nachdem wir meine zwei Hintertaschen auf Co’s Fahrrad geladen und ein paar km bis zu einem Wald geschoben hatten, war die Achse wieder in die richtige Position zurückgerückt, und alles, was blieb, war ein Hinterrad mit kaum bemerkbarer Schieflage und mein blutendes Herz. Aber beides funktioniert noch…mal sehen, wie lange… Doch alle Pflege und Wartung ist natürlich sinnlos, wenn man ein schwaches Glied in der Kette hat. Und wenn diese Kette unter ständiger Belastung steht…Und genau dieses traurige Schicksal ereilte Co’s Kette – sie zerbrach an ihrem Schwachpunkt, dem Schnellverschlussglied. Für uns bedeutete das wieder – schieben. Etwa 8 km lang. Bergauf schieben, bergab rollen…bis zur nächsten Stadt und dort bis zur Tankstelle, an der ein netter Mechaniker die kaputte Kette etwas verkürzte und mit Spezialwerkzeug wieder zusammenkniff – völlig kostenlos! Tack sa mycket! <span style="FONT-STYLE: italic">[da ich armes Ding des Schwedischen nicht mächtig, musste ich die Häkchen und Bögen der handschriftlichen Kritzeleien interpretieren…verzeiht, wenn das in keiner Sprache einen Sinn ergibt...EDIT: googlen hat ergeben (ich weiss ich weiss, hätte ich auch gleich machen können...), dass es mit k geschrieben wird...habe aber sicher keinen von euch in ein peinliches kulturelles missverständnis getrieben, ne?? :)]</span> <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Lunch:</span> Hier in Schweden gibt es eine ganz tolle Sache zwischen 11:30 und 14:00: in vielen Pizzerien/Dönerbuden kann man während dieser Zeit für 5-6 Euro ein Tageslunch bekommen – Pizza oder Döner, dazu eine Riesenportion Krautsalat und eine Kanne Kaffee. Wahnsinn. Hat uns auch schon mal gerettet… <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Regen:</span> Schimpfe nie auf Dinge, die du nicht verstehst. Warum muss es regnen? Damit du nass wirst und dich wenigstens so mal waschen kannst? Damit du lernen kannst, bei jedem Wetter durchzuhalten und verbissen in die Pedale zu treten, während dir schmutziges Wasser von unten in die Hosenbeine spritzt? Damit du lernst, zur rechten Zeit anzuhalten und dein Zelt im Trockenen aufzustellen? Damit du endlich mal Pause machst und deinen Muskeln die Möglichkeit gibst, zu regenerieren? Oder damit du ein so erbärmliches Bild abgibst, dass dir jemand mit dem Auto hinterherfährt, dich anhält und dir anbietet, dir bei ihm zu hause im Gästehaus zu übernachten und den Regen abzuwarten? Ich glaube, Schweden hat uns absichtlich mit 800 km stetem Sonnenschein ins Landesinnere gelockt, um uns eben da schutzlos dem Regen auszuliefern und uns gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, einen realeren Einblick in das Leben hier zu erhalten. <br />Lisette und Anders heißen die zwei Menschen, die uns unabhängig voneinander vorbeifahren sahen und sich beide dachte: „das muss furchtbar sein, jetzt bei all der Nässe und Kälte irgendwo ein Zelt aufschlagen zu müssen…“ Anders rief seine Frau an, die gerade auf dem Nachhauseweg war, sie konnte jedoch nicht ans Telefon, da sie am Steuer saß. Als sie zu hause ankam, fragte Anders nur: „hast du sie gesehen?“, und sie reagierte sogleich mit „Ja...! ich fahre zurück und hole sie gleich her.“ Die beiden nennen das „meistens verschiedene Meinungen, aber immer gleiche Gedanken.“ Jedenfalls hat uns der Regen nicht umsonst durchnässt und abgekühlt. Somit haben wir nicht nur einen echten Ofen erlebt, der unsere Wäsche getrocknet und unser Wasser zum Kochen gebracht hat, sondern durften zwei wunderbare Menschen kennen lernen, <em>[an twoface: hier fehlt doch was? vllt sowas wie: ueber die ich noch so Vieles erzaehlen moechte,]</em> dass nur eine kurze Aufzählung hier nicht passend scheint. Ich widme ihnen später ein Kapitel in meinem endgültigen Bericht. Etwas Bemerkenswertes vorweg: manche Leute sammeln Briefmarken, Autos, Bücher… Lisette und Anders sammeln kleine Häuser im Garten. Holzhäuschen, die vor Jahrhunderten zum Aufbewahren von Wertsachen oder Gras und zum Übernachten im Wald genutzt wurden. „Jeden Morgen, wenn ich sie aus meinem Fenster heraus sehe, fühle ich Respekt gegenüber den Menschen, die sei gebaut haben; sie sind ein Stück Kunst, sie sind wunderschön“, sagt Anders, als er uns die Geschichten der Häuser erzählt. Und ich glaube ihm jedes Wort. <br />Die beiden ließen uns nicht nur drei Nächte in ihrem Gästehäuschen verbringen, sondern arrangierten auch einen kleinen Auftritt für uns - wir durften am Sonntag in ihrer kleinen, schönen Holzkirche drei Lieder aus unserem kürzlich erlernten Repertoire darbieten. Trotz Lampenfieber konnten wir uns mit „dorogije moi stariki“, „Kupola“ und „SOS“ bei ca. 15 Besuchern für ihr wundervolles Land bedanken…:)<br /><br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Freiheit:</span> Ein Nachtrag. Etwas, das mir erst jetzt eingefallen ist – zur Freiheit gehört nicht nur die Entscheidung zu einer Tat und deren Durchführung, sondern auch das „Geschehen lassen“, nachdem man den ersten Schritt selbst getan hat. Das ist ein sehr wichtiger Faktor – man entscheidet sich für etwas, und lässt den Dingen ihren Lauf, um sich immer wieder neu für die Wege entscheiden zu können, die vor einem aufgedeckt werden. Einfach die Pläne beiseite stecken und Möglichkeiten nutzen – banal, aber nur machbar, wenn man es bewusst macht. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Fremdheit:</span> Dieses Gefühl habe ich schon längst verloren – hatte ich es je? Kein neuer Ort ist mir fremd - er ist nur neu. Alles wird für einige Zeit mein Zuhause, ich gehöre überall hin. Ich passe überall dazu, ich lebe auf der gesamten Welt. Jeder neue Ort, jeder Schutz, jedes Dach ist ein willkommenes Zuhause, jede Feuerstelle der eigene Herd, jeder Mensch, der uns im Vorbeifahren zulächelt, -winkt, oder –hupt, bereits ein Bekannter. Das „Fremde“ haben wir hinter unserem Zaun gelassen, und der Zaun – der steht schon lange nicht mehr. <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Fertigkeiten, Kenntnisse:</span> Man eignet sich allerlei an, vor allem in einem neuen Land. Wir lernen, zu unterscheiden, welche Schotterstraße ein Privatweg ist und vermutlich bei einem Häuschen endet, und welche ein Weg für Autos sein soll, der auf unserer Karte eingezeichnet ist. Wir lernen, uns rechtzeitig mit Wasser und Proviant einzudecken, bevor wir in menschenleeres Gebiet ziehen. Wir lernen, ein Feuer stetig zu halten. Wir lernen, kreativ und innovativ mit Fahrradpannen umzugehen (seit dem letzten Eintrag ist schon wieder einiges kaputtgegangen…Co’s Speiche ist gebrochen und wurde von einem Fahrradmechaniker ausgetauscht, und mein Gepäckträger beschloss, dass die Last langsam unerträglich wird, und brach an einer Schraubstelle entzwei. Unter leichtem Regen und Hagel, mitten im menschenleeren Wald, umgeben von einem Geisterdörfchen, hantierten wir mit Kabelbindern und Draht und befestigten die widerspenstige Alustange wieder an der rechten Stelle. Mal sehen, ob wir in Norwegen ein Fahrradgeschäft entdecken…) Wir lernen, regional zu kochen (was ist in dieser Region am günstigsten und hat genug Vitamine für den ganzen Tag?). Wir lernen, inmitten von Gestein und Bäumen mehr oder weniger ebene und nicht allzu hubbelige Zeltplätze ausfindig zu machen. Wir lernen, mit dem ständigen Wechsel von heiß und kalt umzugehen und immer die nötigen Klamotten an- und wieder auszuziehen (ca. zehn Mal am Tag). Wie orientieren uns jeden Tag besser – Karte, Kompass, Bauchgefühl. Unser Gehör wird immer schärfer – wir hören Autos noch lange bevor wir sie sehen und sind überhaupt ständig auf die Geräusche konzentriert, die uns umgeben. Was wir noch nicht können, ist, bei kaltem Wetter im kalten Fluss zu baden. BZZZZ…!!!! Und wir können nicht auf die gelegentliche heiße Dusche verzichten (Gut, dass die Campingplätze hier so günstig sind! Und so hervorragend ausgestattet!). und wir können nicht anders, als auf Regen und kaputte Fahrradteile zu schimpfen, obwohl wir uns selbst in diese Lage gebracht haben. Aber wie es so schön in solchen Situationen ist – Der Mund schimpft, und die Hände arbeiten :) <br /><br />Gestern, (Fr, 15.05) war einer der Tage, die wir so schnell nicht vergessen werden. Zuvor hat Co die ganze Zeit geklagt, dass das Sonnenlicht hier so verschwendet wird – es ist 20 Stunden lang hell, aber wir können das nicht alles ausnutzen. Also beschloss die Sonne scheinbar, uns einen Gefallen zu tun, und schmiedete in Kooperation mit den Bergen im Nationalpark einen Plan… Der Tag begann schon sehr aktiv. Wir wachten gegen 6 Uhr in einem Hüttchen des Hostels Fulufjälletsbyn auf, frühstückten leckere Käsenudeln (Pfanne und Herd muss man ausnutzen!), wuschen Geschirr und Wäsche, und machten uns gegen 9 auf, in die nächste Stadt zu fahren, um Proviant einzukaufen. (schlappe 24 km über die Berge…). <br />Dass wir überhaupt den Tag zuvor in einem Hostel gelandet waren, war wieder einer der wunderbaren Zufälle, die nach „perfekter Gelegenheit“ aussahen: Nach einem verregneten Donnerstag, auf dem wir auf steilen Schotterstraßen, von einem Geisterstädtchen zum nächsten gepilgert waren, und alle mit Wendeplatz endenden Waldstraßen erforscht hatten, ohne auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen, kamen wir endlich an der richtigen Straße in Richtung Mörkret im Nationalpark heraus und überlegten uns schon, wo wir bleiben wollten, um am nächsten Tag zum Wasserfall hochzugehen. Da kam uns das erste Auto des Tages entgegen, hielt, und der Fahrer fragte, wo wir hinwollten und ob wir schon wüssten, wo wir übernachten würden. Es stellte sich heraus, dass ihm und seiner Frau das Hostel gehörte, an dem wir ca. 1 km später vorbeigefahren wären, vermutlich ohne da zu halten, da wir näher an die Berge wollten. Das Hostel hatte noch geschlossen, aber wir bekamen trotzdem ein Häuschen – ausgelegt für 9 Personen – für 18,50 € pro Person und Nacht. Kein Hotel der Welt übertrifft ein einsames, helles, schwedisches Holzhäuschen an Gemütlichkeit, Ausstattung und Günstigkeit. Und da waren wir also, (und sind es noch), an der optimalen Startrampe am Fuße der Fulufjället. Nach 50 km der aufwärmenden Einkaufsfahrt aßen wir zu Mittag, packten den Gitarrenkoffer mit warmen Klamotten und Proviant und nahmen die 6 steil-bergauf-Kilometer zum Parkplatz am Nationalpark in Angriff. 45 min später ketteten wir unsere Pferde auf einem bis auf zwei Autos leeren Parkplatz aneinander und betraten den Park. <br />Was ist besser als ein Nationalpark? Nur ein Nationalpark, den man vollkommen für sich allein hat. Auch an diesem Tag begegnete uns keine Menschenseele mehr. Niiiieeeemand. Ca. 70 000 Besucher im Sommer während der Hochsaison, doch niemand an einem warmen Maitag, um das Aufwachen der Natur nach einem langen Winter zu begrüßen. Niemand außer uns. <br />Die als PAN-Park eingezeichneten Naturschutzgebiete haben eine Besonderheit: sie sind, bis auf die Trampelpfade und Rasthäuschen alle paar Kilometer, völlig Naturbelassen. Kein Holzabbau, keine Landwirtschaft, keine Straßen. Nur die Berge, die Seen und die Trampelpfade. Kippt ein alter, modriger Baumriese einmal um und versperrt den Weg, so wird lediglich das Stück herausgesägt, das auf dem Pfad liegt, alles andere bleibt, wie es ist… so stapften wir also den Fluss entlang, in Richtung Wasserfall, staunten über die Kraft des Wassers, welches am 30.08.1997 in Form einer 6-Meter hohen Flutwelle die Flussufer verwüstet und riesige Bäume entwurzelt und verbogen hatte (der regenreichste Tag in der Geschichte Schwedens, mit etwa 1000 Blitzen in einer einzigen Nacht…), und stiegen derweil immer höher, wodurch sich uns bald schon ein Ausblick auf nicht enden wollende Berge und Wälder in der Ferne bot. Eine solch dichte und unberührte Natur habe ich bisher nirgendwo gesehen. Das lässt sich nicht beschreiben, das muss man mit eigenen Augen sehen. Grüne Nadelwälder ohne Ende, ein schimmernder See in der Nähe, Berge am Horizont, das Rauschen des 90 Meter hohen Wasserfalls in der Nähe – und weiße Schneefelder über den Gipfeln verstreut. Schnee im Mai, Schnee unter dem Wasserfall und an den Felsklippen, Schnee auf dem Holzweg, dessen Bretter dem Druck teilweise nicht standgehalten haben, und wir hinterlassen unsere Fußspuren und Schneemänner am Ufer des Flusses, der unter dem Schneewasser hervorrauscht. Wir haben den gigantischen Wasserfall ganz für uns allein. Der Weg führt uns weiter den Berg hinauf, der Pfad ist ab und zu mit einem orangen Farbklecks auf einem Stein markiert, wir klettern über Geröll hinweg und stehen bald vor einem großen Schneefeld, das unseren Weg unter sich vergraben hat. <br />Doch wir haben erst 5 Uhr abends, wir wollen den gesamten Pfad laufen, geschätzte 12 bis 15 Kilometer. Und das tun wir – Schritt für Schritt tasten wir uns durch den Schnee, halten nach den orangen Steinen auf der anderen Seite Ausschau, weichen ab und an auf Mooshubbel aus, weil der Pfad im Frühling teilweise von schmelzendem Schnee als Flussbett zweckentfremdet wird, und staunen und staunen. Unzählige Moosarten bedecken hier den Boden. Wir laufen wie auf Schwämmen, der Boden ist weich und manchmal sehr feucht. Die Birken, die hier wachsen, krümmen sich unter der Last des Himmels über ihnen, man erkennt sie nicht mehr an Form und Farbe, nur noch an den Knospen. Im Schnee finden sich Spuren von großen Katzenpfoten – vermutlich der Bergluchs, der uns natürlich meidet und sich nicht blicken lässt. Die Schneefelder häufen sich, wir schweben leichtfüßig darüber und wollen gar nicht wissen, ob sich ein See, oder nur Moos und Steine darunter befinden. Und irgendwann sehen wir sie am Horizont – die norwegischen Giganten, die 2000er in der Ferne. Auf 900 Metern Höhe, zwischen feinen Flüsschen, Seen, Schneeschichten, versuchen wir, uns klarzumachen, dass wir jeden einzelnen Zentimeter der Strecke zwischen Oettingen und dem Fulufjället aus eigener Kraft überwunden und aktiv erlebt haben. Doch unsere Vorstellungskraft versagt, wir können uns selbst nicht glauben. Wann war Deutschland? Wo war Trellborg? Wie sind wir an den zwei Seen vorbeigekommen? Wie haben wir all die Auffahrten überstanden? Und der Regen, der uns fast um den Verstand gebracht hat und die Wärme entzogen, und der Wind, der uns gebremst hat, wo sind sie alle hin? Alles ist egal, wenn es überstanden ist, alle Mühe ist vergessen. Wir waren dort, nun sind wir hier, wie auch immer das passiert ist. Anders kommt uns in den Sinn, und seine „einige Worte mit auf den Weg“: „Wenn du etwas tun willst, dann kannst du es schaffen, egal was.“ Natürlich hat er Recht. Das „wollen“ ist das Entscheidende. Und der Rest klappt dann schon irgendwie. Klappt nach und nach auseinander wie eine Leiter nach oben, und man klettert und klettert, und schaut, was noch kommt. Es gehören natürlich schon eine ganze Portion Mut und ein Haufen Irrsinn dazu, in einer Metallschachtel eine Leiter zu sehen, aber dieser Irrsinn lohnt sich – auf welche Weise auch immer. <br />Inwiefern hat sich die Bergwanderung für uns gelohnt? Abgesehen von der herrlichen Aussicht und der sportlichen Betätigung haben wir gelernt, leichtfüßig aufzutreten und Entfernungen in den Bergen nicht zu unterschätzen. Wir haben etwa 3 km pro Stunde geschafft, unsere Schuhe mit Schnee vollgeschaufelt, und den Tag voll und ganz ausgenutzt. Um 22:10 standen wir an einem Rasthäuschen 3 km vom Parkplatz entfernt, sahen die Sonne hinter die Berge tauchen und den Himmel rot-golden-violett färben, und das Schildchen „Parkering“ zeigte mitten auf ein Schneefeld ohne sichtbares Ende. Aber wir hatten unseren Kompass, unsere festen Schuhe und einen noch immer hellen Himmel – und natürlich den Beschluss, so schnell und zugleich vorsichtig wie möglich hinunter zu steigen und den Weg wieder zu finden. Wir krabbelten also über grünes Gestein, hüpften auf den Wurzeln krummer Zwergbäumchen durch knöcheltief unter Wasser stehende Wiesen, und landeten irgendwann tatsächlich wieder auf dem markierten Weg. Um 23:10 standen wir an unseren Fahrrädern, und der Himmel war dunkelblau. Die Berge hatten uns letztendlich freigelassen – beim allerletzten Sonnenstrahl. Nass, erschöpft, und satt an unglaublichen Eindrücken und Erlebnissen rauschten wir die 6 km zum Hostel herab und schlossen diese äußerst reichen Tag ab. Danke, Sonne, für deine lange Anwesenheit! Danke, Berge, für diese wichtige Lektion in Sachen Respekt und Einschätzung. <br />Nun sitze ich hier und schreibe, draußen nieselt es, und morgen werde ich vermutlich schon nicht mehr in Schweden sein. Nach drei Wochen habe ich gerade mal das Grundgerüst der Sprache erfasst, und hätte gerne noch mehr Zeit, um richtig sprechen zu lernen…Aber das werde ich vermutlich in Norwegen tun müssen – gut, dass die Sprachen sich so ähneln. Der letzte Buchstabe auf der Liste ist Z, und dazu fällt mir noch etwas ein: <br /><span style="FONT-WEIGHT: bold">Zeit:</span> Die Wahrnehmung von Zeit ist abhängig von so vielen Faktoren – von Bewegung, von Dauerhaftigkeit, vom Zeitrahmen des Beobachters. Wenn wir an einer Straße entlangfahren und Lkws und Autos vorbeifahren sehen, denke ich manchmal – für diese Fahrzeuge ist unsere tägliche Distanz gar nichts, die Berge sind nichts, der Gegenwind ist nichts. Sie leben in einer völlig anderen Zeit. Einmal fuhren wir an einem Mann vorbei, der auf Krücken die Straße entlang humpelte, er brauchte mehrere Sekunden, um einen einzigen Meter zu überwinden. Auf einmal kam ich mir sehr schnell vor. Für diesen Mann hatte Zeit eine mir völlig unvorstellbare Bedeutung. Zeit ist tatsächlich sehr relativ. Genau wie alles andere… Erst wenn ich mein Fahrrad einen Schotterweg hochdrücke und –zerre, und der Tacho 0 km/h anzeigt, verstehe ich, wie Langsamkeit sich tatsächlich anfühlt… <br /><br />So, liebe Twoface, das reicht erstmal. Wäre schön, wenn du das irgendwo online stellen würdest…und dem ersten Teil vielleicht eine Übersetzung hinzufügen…Zum Schluss noch ein paar Fakten: <br /><br />Strecke: Oettingen – Taubertal – Maintal – Köln – Düsseldorf – Essen – Recklinghausen – Datteln – Teutoburger Wald – Weser – Lüneburger Heide – Elbe – Schweizer See – Ostsee – Ribnitz-Damgarten – Stralsund – Bergen – Saßnitz – Trelleborg – Höör – Hässleholn – Värnamo – Jönköping – Hjo – Tibro – Skagern-See – Kristinehamm – Filipstadt – Hagfors – Sillero – Malung – Sälen – Särna – Mörkret – Fulufjället <br /><br />Insgesamt: 2751 km, <br />davon 1590 in Deutschland (30.03 – 23.04) (Verbrauch: 372 €), 1251 in Schweden (24.04-16.05) (Verbrauch: 6000 SEK (1:10,8) -&gt; 555,46 € =&gt; 24€/d!!!)<br />=&gt; 1 km kostet uns 33 cent :)<br />Gesamtfahrzeit: 204 h 54 min =&gt; 5,8h/d <br />Max. km/h: 50,9 <br />Durchschnittsgeschwindigkeit: 14 km/h <br /><br />Bis zum nächsten Brief!! Viele Grüße, Bübü!! <br />Batman&amp;Co 16.05.09 <span style="FONT-STYLE: italic"><br /><br /><br />All diese kleinen Schnipsel aus dem Leben meines nme’s, die ab und zu in meinem Briefkasten eintrudeln, mögen sie in einem kleinen Zimmerchen im Alexandrinum verfasst worden sein, in einem Wohnzimmer mit Blick auf die Hauptstraße Großenseebachs, in einem Studentenkämmerchen in Yamaguchi, irgendwo in einem Zug auf Hokkaido, auf dem Linoleumboden einer ehemaligen Videothek, in einer Kellerwohnung in Franken, oder eben in einem schwedischen Holzhäuschen, sie alle haben eins gemeinsam: Wenn ich sie lese, ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich ein Blatt, dessen Vorder- und Rückseite ich bereits gelesen habe, noch einmal wende, und plötzlich stutze, und mich frage „Komisch, ich dachte, ich hätte gerade eben nur eine Seite durch…?“. <br />Kein Schriftsteller vermag es in meinen Augen so gut, seine Erlebnisse und Gedanken, seine Träume und Ideen, so plastisch und greifbar, so real und ehrlich zu beschreiben, den Leser in einen solchen Bann zu ziehen und ihn alles um ihn herum vergessen zu lassen, wie die Autorin des vorangehenden Texts. Liegt es an mir, liebe Leser? Liegt es daran, dass diese Texte für mich ihre ganz eigene Sprache haben, mit völlig eigenständigen Idiomen und Ausdrucksweisen? Oder ist sie tatsächlich ein solches Genie...? </span></div> <br /><br />   ]]></description>
<pubDate>Tue, 26 May 2009 19:26:32 +0200</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>Rainer Maria Rilke - Eine Hommage</title>
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<description><![CDATA[<br />
<br /><br />
<br /><br />
Ich bin die Welt, ich bin ihr Kind<br /><br />
In ihrem Atem liegt mein Frieden<br /><br />
Bin schwer wie Regen, leicht wie Wind <br /><br />
Wie Tag und Nacht bin ich verschieden<br /><br />
<br /><br />
Ich liege stets in ihrem Schoß <br /><br />
Und folge ihren Ungezeiten<br /><br />
Bin nackt vor ihrem Blick, bin bloß - <br /><br />
Und wie auf ungestimmten Saiten<br /><br />
<br /><br />
Spielt sie mich gnadenlos und ehrlich<br /><br />
Sie spielt mich ängstlich und gefährlich<br /><br />
Sie schlägt mich an, sie lässt mich schwingen<br /><br />
Erlaubt mir, ungeschickt zu klingen<br /><br />
<br /><br />
Und jeder Ton, so unvollkommen<br /><br />
Fließt ein in ihre alte Weise<br /><br />
Mal bin ich dumpf, mal sanft, mal leise<br /><br />
Sie hat mich stets zu sich genommen<br /><br />
<br /><br />
Mein Atem liegt in ihren Winden<br /><br />
Und wo mich ihre Augen finden<br /><br />
Dort, wo ich echt bin, unverstellt,<br /><br />
Bin ich ihr Kind, bin ich die Welt<br /><br />
<br /><br />
<br /><br />
23. Mai. 2009 (Alles Gute zum Geburtstag, Co :) <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Sat, 23 May 2009 02:52:10 +0200</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>just you wait...</title>
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<description><![CDATA[<br />
<div style="text-align: justify;"><br /></div><div style="text-align: right;">&nbsp;</div><div style="text-align: left;"><br /></div><div style="text-align: center;">&nbsp;</div><div style="text-align: justify;"><br />
20/21. Dezember 2008<br />
<br /><br />
Frankfurt<br />
<br /><br />
Ich werde nicht gerne ignoriert. Vor allem nicht an einem Samstag Morgen, 8 Uhr, in Frankfurt. Vor allem nicht am Flughafen, in der Schlange vor einer Bäckerei. Vor allem nicht von einer Verkäuferin, der ich bereitwillig mein Geld im Tausch gegen eine Tasse Tee geben würde. Wenn ich an meinen Geldbeutel käme. Und mir meine Handtasche nicht von der Schulter rutschen würde. Und ich weniger Gepäck hätte. Und es nicht so laut wäre. Und voll. Und die Leute hinter mir in der Schlange nicht an mir vorbei etwas bestellen würden.<br /><br />
Ich bin gestern um kurz vor sieben aufgewacht. In den letzten 25 Stunden habe ich 50 Minuten geschlafen, die Zeit, die das Flugzeug von Berlin nach Frankfurt gebraucht hat. Ich möchte nur einen Tee, um eine gerade gekaufte (und extrem überteuerte) Kästestange zum Frühstück verputzen zu können. Und niemand nimmt mich wahr. Manchmal ist das Leben grausam.<br /><br />
Aber irgendwann ist auch diese Qual zu ende. Mein Höflichkeitsschaltkreis brennt durch, ich bestelle mir frech einen Tee in den Raum hinein, bekomme ihn sogleich geliefert, zahle, und zwänge mich dann zwischen Reisenden und Flugzeugangestellten hindurch zu einem freien Plätzchen, wo ich mein Mahl einnehmen kann, mit meinem Rucksack auf dem Rücken, einer Tüte mit Geschenken in der Linken, meinem Tee in der Rechten und meinem Brötchen in der Dritten…<br />
<br /><br />
Was, liebe Leute, mache ich vier Tage vor Heiligabend in Frankfurt am Flughafen? Warum sitze ich nicht gemächlich mit Frau und Kind am Kamin und schlürfe Glühwein mit Plätzchen?<br /><br />
Die Antwort auf diese Frage ist simpel genug: Ich habe weder Frau, noch Kind, noch Kamin, und Glühwein mag ich nicht. Die Plätzchen sind ein neutrales Element in dieser Weihnachtsgleichung, und so kommen wir zu dem Ergebins, dass ich warte. Ich warte, hier, heute, in Frankfurt. Darauf, dass in 5 Stunden mein Weggefährte hier auftaucht und wir dann, 18 Stunden später, in einem Flugzeug der British Airways auf dem Weg nach Tokyo sein werden, von wo aus uns die pünktlichen und sauberen Züge Japans nach Hokkaido bringen werden. <br />
<br /><br />
Im Winter verbringt man seinen Urlaub am besten auf Sandstränden unter Palmen. <br />
Um der Kälte zu entfliehen. Um genüsslich bei 25 Grad Celsius am Meer spazieren zu können. Um Cocktails aus Kokosnussschalen zu schlürfen. <br />
Genau das ist der Grund, warum wir in den Norden fliegen. Ans Ochotskische Meer und die Sibirischen Winde. An unberührte Wälder und zu schlafenden Bären. <br />
Um der kalten Tourismus-Atmosphäre zu entfliehen. Um bibbernd bei minus sieben Grad Celsius in schäumende Wellen zu starren. Um sich an Heiligabend mit Sake zu betrinken.<br />  <br />
Wir haben zwei Wochen Zeit, um Japan insgesamt in seiner beinahe dopppelten Länge zu durchfahren. Augerüstet mit drei Rucksäcken und einer Handtasche Gepäck, zwei unentbehrlichen Railway-Pässen, die uns die Zugtüren auf so gut wie allen Strecken Japans öffnen, und genug Wahnsinn, um sich 6000 Kilometer in 12 Tagen aufzuhalsen und dabei einen entspannenden Urlaub zu erwarten.<br />
<br /><br />
Und so sitze ich hier also, futtere mein Brötchen, trinke meinen Tee (viel zu heiss und geschmacklos), lese einen Spiegel (dessen Kauf sich meine Hände nicht entziehen konnten) und belausche die Gespräche der Leute um mich herum. <br />
Die Uhr tickt…viel zu langsam. <br /><br />
Da ich mit einem unerschütterlichen Glauben an das Böse im Menschen gesegnet bin, kann ich mich nicht mal ruhig auf ein Bänkchen setzen und etwas Schlaf nachholen, ohne dabei fürchten zu müssen, dass jemand mein Gepäck stibitzt.  <br /> <br />
So vertreibe ich mir meine Zeit, indem ich über das Flughafengelände schlendere, mir ansehe, wie die Bourgeoisie bei Bulgari&amp;Co einkauft, während der Pöbel sich mit McDonalds begnügen muss, und ungefähr fünf mal pro Minute auf die Uhr sehe, um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht in Nähe eines schwarzen Loches befinde.   <br />
…<br /><br />
Etliche Stunden später sitze ich in einer bequemen Sitzecke auf einer abgelegenen 2. Etage, neben mir mein Weggefährte, und verputze die Salate und Chebureki, mit denen man uns für die nächsten 15 Stunden ausgestattet hat. <br /><br />
Ob ihr es glaubt oder nicht, aber es gibt echt nicht viel, womit man sich die Zeit auf einem Flughafen vertreiben kann. Essen und schlafen sind so ziemlich das Einzige, was Sinn macht, aber im Hinblick auf die Tatsache, dass die 14 Stunden Flug in der gleichen Manier verbracht werden…man kann es sich denken. <br /><br />
Trotz Allem war auch diese Zeit eine lehrreiche Erfahrung für uns. Dinge, die wir vorher nicht gewusst haben (haha):<br />
<br /><br />
-	Tee auf Flughäfen ist entweder teuer und lecker, teuer und nicht lecker, oder billig und schmeckt nach Papier. <br />
-	Je später die Nacht, desto kälter ist es, selbst in einer dicken Winterjacke.<br />
-	Hat man einen Flug bei der Lufthansa gebucht, macht es wenig Sinn, die AirBerlin nach den Konditionen zu fragen.<br />
-	Wenn der Bahnhof sich bei Terminal 1 befindet, sucht man ihn am Terminal 2 vergeblich.<br />
-	Frische Luft gibt es vor allem außerhalb eines Gebäudes. Pech hat man, wenn sich dort die gesamten Raucherzonen befinden.<br />
-	Die Lufthansa hat zumindest einen sehr hilfsbereiten und netten Mitarbeiter (tatsächlich etwas, was mich positiv überrascht hat)<br />
-	Bei einer Evakuierung läuft es sich mit zusammengebundenen Schnürsenkeln schwerer. <br />
<br /><br />
So…<br /><br />
54 000 Sekunden später, am 21. Dezember, haben wir uns und unser Gepäck bereits eingecheckt, sind heil durch die Sicherheitskontrolle geglitten, haben uns am Passschalter vorbeigeschlängelt und sitzen erwartungsfreudig auf unseren Plätzen, hibbelig und nervös wie kleine Kinder, die nur noch einmal schlafen müssen, bevor sie Geburtstag haben. (Okay, okay…das ist eine Lüge, ich gebe es zu. Nach über 24 Stunden Wartezeit habe ich nicht mal mehr die Energie, meine Augen lang genug aufzuhalten, um mitzubekommen, wie das Flugzeug abhebt. Aber um euch die Stimmung nicht zu verderben, stellt euch mich hibbelig und nervös vor, wie ein kleines Kind,…usw.)<br />
<br /><br />
Und nun sind wir in der Luft, auf dem Weg nach Heathrow, London, einem Fleckchen Erde, welches wir noch nie betreten haben, um dort neue und ungeahnte Abenteuer zu erleben, um zwischen kulturelle Fronten zu geraten und einen Einblick in die Abgründe des menschlichen Wesens zu bekommen.<br />
<br /><br />
So be prepared, dear reader, be prepared…<br />
<br />
</div> <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Sat, 17 Jan 2009 19:24:34 +0100</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<item>
<title>2733 Reasons  </title>
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<description><![CDATA[<br />
<text style="font-size: 11.5px;"><br />
<br />
<br /><br />
<i>2733: Anzahl der Kilometer zwischen Abashiri und Nagasaki, den zwei äußersten Punkten unserer Tour<br />
</i><br />
<br /><br /><br />
<br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">A</text>al, gebraten<br /><br />
<i>.........siehe auch: Unagi </i><br /><br />
Abashiri<br /><br />
<i>.........der nördlichste Punkt unserer Reise   </i><br /><br />
Ainu<br /><br />
<i>.........sowie ihre süßen kleinen Welpen </i><br /><br />
Akan-National Park<br /><br />
<i>.........Leider zu verschneit, um ihn ganz zu durchforsten </i><br /><br />
Algen<br />
<br /><i>.........und das Geräusch, das beim Drauftreten entsteht </i><br />
<br />Ampeln, blaue<br />
<br /><i>.........Auch wenn Rika der Meinung ist, ich sei farbenblind [Rika: nö, grüne :p ]</i><br />
<br />Aomori<br />
<br /><i>.........kleiner Zwischenstopp mit schönem Onsen </i><br />
<br />Ashi-yu<br />
<br /><i>.........um die müden Füße Reisender zu wärmen </i> <br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">B</text>ad, öffentliches<br />
<br /><i>.........siehe auch: Onsen </i><br />
<br />Bären im Museum<br />
<br /><i>.........in freier Wildbahn leider nicht gesichtet </i><br />
<br />Berge<br />
<br /><i>.........bevorzugt: Typ Yamaguchi, dekoriert mit Gyoza und Sushi </i><br />
<br />Brötchen, süße<br />
<br /><i>.........gebacken von französisch anmutenden Patisseries mit der typisch japanischen Sorgfalt </i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">C</text>ocktails<br />
<br /><i>.........Zu empfehlen: zwischen ein und zwei Uhr nachts in Tokyo </i><br />
<br />Coin-Lockers<br />
<br /><i>.........Für schweres Gepäck; meistens zu finden am Bahnhof;  falls nicht: ja nicht nachforschen;  lieber Gepäck mitschleppen </i><br />
<br />Coolness japanischer Jugend<br />
<br /><i>.........Wird erreicht durch die Kombination aus dem „I don’t care“ – Gesichtsausdruck (Bei Mädchen:  Schmollmund) und den ausgeflippten Frisuren </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">D</text>achziegel unter Soba<br />
<br /><i>.........Vorsicht beim Schlürfen: Spritzgefahr!!</i><br />
<br />Decken, warme<br />
<br /><i>.........darunter fallen nicht: Handtücher im Kenkourando </i><br />
<br />Deijma<br />
<br /><i>.........An der Küste Nagasakis gebaute Insel zur Unterbringung holländischer Kaufleute </i><br />
<br />Drinks aus dem Automaten, heiße<br />
<br /><i>.........Als Frühstücksersatz zu empfehlen: Schwarzer Tee mit Milch und Zucker </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">E</text>bi<br />
<br /><i>.........bevorzugt: lebendig; Vorsicht beim Köpfen und Schälen </i><br />
<br />Ebi-Curse<br />
<br /><i>.........befällt den Henker, der allzu blutrünstig vorgeht. Symptom: Blutgeruch an den Händen </i><br />
<br />Ebi-Danke-Fest<br />
<br /><i>.........hebt im besten Falle den Fluch wieder auf </i><br />
<br />Eco-Museum mit süßem Japaner <br />
<br /><i>.........…ohne Angst vor Ausländern: Rarität!!</i><br />
<br />Eis aus grünem Tee<br />
<br /><i>.........Vorsicht beim Verzehr: könnte auch getarntes Wasabi sein </i><br />
<br />Eis auf See<br />
<br /><i>.........zwei Schritte sind das Äußerste. Nach dem Dritten muss man auf den Frühling warten [Rika:  …bis man gefunden wird]</i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">F</text>ahrstil, Yamadas<br />
<br /><i>.........funktioniert nur mit Röntgen-Augen, die durch die Felsen in der Kurve sehen </i><br />
<br />Felsen<br />
<br /><i>.........zum Draufkrabbeln oder Bestaunen </i><br />
<br />Fisch<br />
<br /><i>.........in jeder Form und Farbe </i><br />
<br />Flagge, japanische<br />
<br /><i>.........auf Bandanas und Berggipfeln </i><br />
<br />Futon<br />
<br /><i>.........die bequemste Art zu schlafen überhaupt </i> <br />
<br />Fuji-san<br />
<br /><i>.........leider nur aus dem Zugfenster, dafür mit klarer Sicht </i><br />
<br />Furoshiki<br />
<br /><i>.........wer es auf dem Kopf trägt, fällt sofort als Gaijin auf </i><br />
<br />Frechheit, Kunis<br />
<br /><i>.........reicht von Heiratsanträgen bis hin zu anderen unmoralischen Angeboten </i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">G</text>aijin-Bonus<br />
<br /><i>.........…und man ist Zentrum der Aufmerksamkeit </i><br />
<br />
<br />
<br />Gemüse, eingelegtes<br />
<br /><i>.........Zum Frühstück-, Mittag- und Abendessen. Lecker!</i><br />
<br />Gipfel, erklommene<br />
<br /><i>.........der höchste: 426 m </i><br />
<br />Glover-Garten, Nagasaki<br />
<br /><i>.........die Anfänge der Diplomatie. Europa und Japan ergeben lustige Mischung </i><br />
<br />Goryoukaku<br />
<br /><i>.........erster Stop; erster Schnee; erstes Onsen </i> <br />
<br />Gohan<br />
<br /><i>.........wenn man nach zwei Minuten nicht mit der ersten Schale fertig ist, muss was faul sein </i><br />
<br />Grüne Dezember<br />
<br /><i>.........Palmen und Sandstrand…</i><br />
<br />Gusto<br />
<br /><i>.........kitschige Innenausstattung, Blumenmuster aus den 60ern </i><br />
<br />Gyoza<br />
<br /><i>.........am besten in Mashû und Tokyo </i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">H</text>andschuhe, weiße<br />
<br /><i>.........getragen von allen öffentlichen Bediensteten </i><br />
<br />Handtücher, geliehene<br />
<br /><i>.........für all jene, die mit Minimalausstattung reisen </i><br />
<br />Hashi<br />
<br /><i>.........wenn man sich mal gewöhnt hat, ist es praktischer als Messer und Gabel. </i> <br />
<br />Hatsu-hi-no de<br />
<br /><i>.........dazu: heisser Saft aus Roter Beete [Rika: nööö, rote süße Bohnen! &#1092;&#1072;&#1089;&#1086;&#1083;&#1100; ]</i><br />
<br />Häuschen an der Küste<br />
<br /><i>.........kaufe ich mir für meine Rente, am liebsten in Yunoyama-Onsen </i><br />
<br />Hell Valley, Sulfurhaltige<br />
<br /><i>.........zum Kochen von unachtsamen Gaijin </i><br />
<br />Himmel, blauer<br />
<br /><i>.........in Hokkaido noch vor sieben Uhr morgens </i><br />
<br />Hofu<br />
<br /><i>.........sehr nette Gastfamilie; sehr süßer Hund; sehr cooles Auto </i><br />
<br />Höflichkeit<br />
<br /><i>.........lieber zu viel als zu wenig </i><br />
<br />Hunde, niedliche<br />
<br /><i>.........…aber bissig!</i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">I</text>dylle, Hokkaidsche<br />
<br /><i>.........nur das Knirschen des Schnees unter den Fußsohlen: himmlisch </i><br />
<br />Ikura<br />
<br /><i>.........auf Reis oder in Sushi </i><br />
<br />Inseln<br />
<br /><i>.........klein aber fein </i><br />
<br /> „Itadakimasu!“<br />
<br /><i>.........…und das Festmahl kann beginnen </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">J</text>apaner, hübsche<br />
<br /><i>.........gibt es vor allem auf Hokkaido </i><br />
<br />Jolly Pasta<br />
<br /><i>.........happy pizza, funny Bacon...</i><br />
<br />Joyful<br />
<br /><i>.........leider nur von außen gesehen...natsukashi!!!</i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">K</text>awara-Soba<br />
<br /><i>............oishii!!!</i><br />
<br />Kawayu-Onsen<br />
<br /><i>.........drei Kilometer am Straßenrand bis zum ersehnten Onsen, Schneeräumfahrzeuge verwandeln Wanderer in Schneemänner </i><br />
<br />Kenkourando<br />
<br /><i>.........Synonym für Entspannung; manchmal komische Pyjamas </i><br />
<br />Khaki<br />
<br /><i>.........hängen auch im Dezember noch an den Bäumen </i><br />
<br />Kimio <br />
<br /><i>.........wollte uns sponsorn, Rika hat abgelehnt…och mensch…</i><br />
<br />Kuni<br />
<br /><i>............he just wants to make us happy :) </i><br />
<br />Küken, Yamadas<br />
<br /><i>.........gedreht aus einem Handtuch; befreundet mit einem Tintenfisch [Rika: …aus Papier]</i><br />
<br />Kussharo<br />
<br /><i>.........Schwäne und Wellen; Die Hotels drumherum im Winter wie ausgestorben [Rika: nicht „wie“. Tatsächlich ausgestorben - Winterpause, da Straßen nicht für Autos zugänglich]</i><br />
<br />Kraniche auf Feldern<br />
<br /><i>.........Zug zu schnell, Finger auf Abzug, eh…Auslöser zu langsam </i><br />
<br />Kraniche auf Yukatas<br />
<br /><i>.........man meint, man hätte Flügel…</i><br />
<br /> „Kudasai“<br />
<br /><i>.........das einzige Wort, das ich lesen kann…vorzugsweise an Ampeln </i><br />
<br />Kyushu<br />
<br /><i>.........unser letzter Abstecher; Regen und Meer </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">L</text>ätzchen<br />
<br /><i>.........ein für japanische Ohren absolut cooles Wort </i> <br />
<br />Lawson<br />
<br /><i>.........Hat uns in Shiraoi vor dem Hungertod bewahrt; Kunis ehemalige Arbeitsstelle </i><br />
<br />Leitplanken, orange<br />
<br /><i>.........gibt es nur in Yamaguchi-ken; erinnern an die Orangen an den Bäumen [Rika: …sollen erinnern]</i><br />
<br />Lichter, blaue<br />
<br /><i>.........als Weihnachtsdekoration, vor allem in Obihiro: weisen Betrunkenen den rechten Weg </i><br />
<br />Love-Hotel<br />
<br /><i>.........…hatten leider keine Gelegenheit, in einem zu übernachten; nächstes Mal bestimmt </i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">M</text>an<br />
<br /><i>.........Die chinesische Art der Manty; lecker mit Fleisch oder Pizzafüllung; vorzugsweise aus dem Lawson oder in Nagasaki </i><br />
<br />Mandarinen <br />
<br /><i>.........…im Garten; verführen zum Mundraub </i><br />
<br />Mashû<br />
<br /><i>.........erst Nebel und Regen, dann Schneegestöber; verirrt in einer Kleinstadt </i><br />
<br />Märchen no mori<br />
<br /><i>.........die Wälder im Akan national park </i><br />
<br />Mazda, Kunis<br />
<br /><i>.........für Privattouren von Gaijin; Romantische Fahrt durch Hofu </i><br />
<br />Minshuku<br />
<br /><i>.........nur für das gemeine Volk: Betten müssen selbst gemacht werden!!!</i><br />
<br />Miso-Suppe<br />
<br /><i>.........immer gut zum Aufwärmen </i><br />
<br />Mochi, Neujahrs-<br />
<br /><i>.........gewöhnungsbedürftig; Wettessen nur für die Härtesten </i><br />
<br />Moko-chan<br />
<br /><i>.........süß aber bissig, und sehr neugierig </i><br />
<br />Mukkuri<br />
<br /><i>.........man muss schon Ainu sein, um das richtig spielen zu können </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">N</text>abe<br />
<br /><i>.........Riesige Portionen, aber lecker!!</i><br />
<br />Nagasaki<br />
<br /><i>.........Europa macht sich bemerkber, und: Hügel über Hügel </i><br />
<br />Narita<br />
<br /><i>.........Das Tor zur Welt: schöne Wartelounges, höfliche Sicherheitsbeamte, bequeme Sessel </i><br />
<br />Nebel<br />
<br /><i>.........gab es vor allem in Mashû und Yamaguchi; Herbst mitten im Dezember </i><br />
<br />Neuschnee<br />
<br /><i>.........am 26. in Mashû; Weißer Geburtstag!</i><br />
<br />Noboribetsu<br />
<br /><i>.........Koexistenz von Mensch und Vulkan =&gt; Onsen über Onsen </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">O</text>baa-chan, kleine<br />
<br /><i>.........sie sind so wiiiiinzig….! Woran das liegen mag?</i><br />
<br />Obihiro, verschneites<br />
<br /><i>.........Geschäftsmänner und betrunkene Jugendliche: Heiligabend einmal anders </i><br />
<br />Ochotskische See<br />
<br /><i>.........das Meer und seine Seele…unvergleichlich </i> <br />
<br />Onsen, 24h-<br />
<br /><i>.........zwölf Mal in zehn verschiedenen Onsen; man kommt sich schon ein wenig verhätschelt vor… </i> <br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">P</text>apier, Seiden-<br />
<br /><i>.........…und jedes Äpfelchen hübsch eingepackt </i><br />
<br />Palmen<br />
<br /><i>.........und Birken am Meeresrand…meine Rente wird toll…</i><br />
<br />Plumpsklo<br />
<br /><i>.........nicht für bequeme Europäer </i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">Q</text>uellen, heiße<br />
<br /><i>.........siehe auch: Onsen </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">R</text>ailway Pass<br />
<br /><i>.........Geniale Erfindung; und wir fahren und fahren und fahren…6000 km in 14 Tagen </i><br />
<br />Rehe, Hokkaidsche<br />
<br /><i>.........tummeln sich im Wald und blockieren Gleise. </i> <br />
<br />Rotenburô<br />
<br /><i>.........das Sahnehäubchen auf dem Onsen. Zu genießen  zwischen sechs und sieben Uhr Morgens </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">S</text>ashimi<br />
<br /><i>.........so simpel und doch so genial...</i><br />
<br />Sake<br />
<br /><i>.........unverdünnt ein zweifelhaftes Vergnügen </i><br />
<br />Seven-eleven<br />
<br /><i>.........oder: der Bruder von Lawson </i><br />
<br />Soba, Neujahrs-<br />
<br /><i>.........verhilft zu langem Leben und viel Glück. Oishii!</i><br />
<br />Sonnenaufgang, erster<br />
<br /><i>.........siehe auch: Hatsu-hi-no de </i><br />
<br />Soja<br />
<br /><i>.........nur ein Gaijin verunreinigt Reis mit Sojasoße </i> <br />
<br />Strand<br />
<br /><i>.........am schönsten auf Tsunoshima. Strandgut: Plastikflaschen aus Taiwan </i> <br />
<br />Sushi<br />
<br /><i>.........en masse. In jeder Form und Farbe </i> <br />
<br /> „Sumimasen“<br />
<br /><i>.........in der Rangliste gebrauchter Vokabeln auf Platz eins </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">T</text>atami<br />
<br /><i>.........für die weniger betuchten auch als Imitat aus Laminat erhältlich </i><br />
<br />Taucher, verrückte<br />
<br /><i>.........surfen im Dezember? Samuiiiii!!!!!</i><br />
<br />Tee, grüner<br />
<br /><i>.........verfügbar in circa 10 000 Sorten. Am liebsten heiß.</i><br />
<br />Tempel<br />
<br /><i>.........auch wenn man nicht abergläubisch ist: prophylaktischer Besuch zum Neujahr geht immer </i><br />
<br />Tempura<br />
<br /><i>.........für all jene, die dem Ebi beim futtern nicht in die Augen sehen wollen </i><br />
<br />Türen, Zug-<br />
<br /><i>.........gehen automatisch auf und zu und lassen kalte Luft hinein. </i> <br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">U</text>me<br />
<br /><i>.........sauer und seltsam. Nur für die Mutigen </i><br />
<br />Umi<br />
<br /><i>.........besonders beliebt bei Paaren, denen die Leidenschaft abhanden gekommen ist. Sagt <br />	 zumindest Kuni </i><br />
<br />Unagi<br />
<br /><i>.........nicht roh, trotzdem lecker </i><br />
<br /><br /><br />
<br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">V</text>alley, Hell<br />
<br /><i>.........siehe auch: Hell Valley </i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">W</text>asabi<br />
<br /><i>.........gut für die Atemwege, in großen Mengen tränentreibend </i><br />
<br />Wellen<br />
<br /><i>.........hypnotische Wirkung, vor allem in Abashiri </i><br />
<br />Winter<br />
<br /><i>.........die beste Zeit, um im Schnee zu stapfen. Auf Hokkaido. Mit 10 Kilo Gepäck. [Rika: …äh… wer von uns? :-p ]<br /></i> <br /><br />
<br /><text style="font-size: 14px; color: blue;">X</text>anten<br />
<br /><i>.........wer braucht schon Xanten, wenn er Yamaguchi hat?</i><br />
<br />
<br /><br /><br />
<text style="font-size: 14px; color: blue;">Y</text>amada<br />
<br /><i>.........Ultra-Kapitalist. Heiratet nur des Geldes wegen.</i><br />
<br />Yamaguchi<br />
<br /><i>.........die Wurzel allen Übels. Dort fing es an… </i> <br />
<br />Yuda-Onsen<br />
<br /><i>.........kleiner Bahnhof mit Erinnerungswert. </i> <br />
<br />Yukata<br />
<br /><i>.........variieren von Hotel zu Hotel; das feinste Material definitiv in Abashiri.</i><br />
<br />Yunoyama-Onsen<br />
<br /><i>.........meine zukünftige Heimat. Gefährliche Wanderung am Straßenrand, erstes Mal Frühlingswetter </i><br />
<br />
<br /><br />
<br /><text style="font-size: 14px; color: blue;">Z</text>en<br />
<br /><i>.........die Kunst der kleinen Dinge. Unter anderem die hier genannten.  </i> <br />
<br /><br /><br />
</text><br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Wed, 07 Jan 2009 14:37:17 +0100</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<title>Schneetiger-Winterträume</title>
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<description><![CDATA[<br />
<br /><br /><div style="text-align: justify;">Es schmatzt, knirscht und knarrt, als die Reifen leidenschaftlich den frostigen Asphalt küssen. Es knattert und kracht, wenn mein Schneetiger die Zuckerhütchen platt drückt, und sein Auge reflektiert den Diamantenschauer um uns herum. Puderzucker auf den Bäumen, auf den kahlen Sträuchern, die Felder liegen breit vor mir wie ein altes Weib auf dem Sterbebett, das in ein Leichentuch gehüllt wird. Ich freue mich für die Alte, denn schon bald wird ihre Demenz wegschmelzen, ihre Erinnerung versickern, die Unruhe von ihren schweren Gliedern fallen, und man wird sie als Kleinkind wiederentdecken, als Kleinkind mit Vollmondgesicht, in ein frisches Leinentuch gewickelt.<br />Das kehlige Schnurren des Schneetigers trägt die Botschaft weiter, so dass ich ihn selbst mit geschlossenen Augen deutlich vor mir sehe: den Schnee. Ich rieche ihn, ich schmecke ihn, und ich fühle ihn auf meinen Wangen und Wimpern, in meinen Fingerspitzen und in meinem Hals. Eisschichten knacken unter mir weg,  müde Zweige streuen ihre Last vor mir aus. Ich fliege durch Pfützen, rutsche über Brücken, gebe meinem Schneetiger die Sporen, doch bleibe stets auf der Hut, wachsam, klarsichtig. Wenn mir spitze Glasscherben entgegenprasseln und mich blind machen, ziehe ich die Zügel an und der Tiger schleicht, während ich aus dem Augenwinkel nach Wegmarkierungen und Silhouetten von Hindernissen spähe.<br />Keine Winterdepression kann den ersten Schneefall überstehen.<br />Diese blendende Weiße vermittelt das Gefühl von Ruhe und Zuversicht. Der Blick verirrt sich nicht mehr, die Stirn muss sich nicht in Falten werfen. Es ist mit allem abgeschlossen, es ist alles in der letzten Runde und läuft auf den Neustart zu. Ich würde das gern auf mein nicht in Jahreszeiten eingeteiltes menschliches Leben anwenden. Ich würde gern einen Schleier über alles legen können - immer dann, wenn meine Blätter fallen, wenn die Nächte länger sind als die Tage, wenn die Äcker keine Früchte mehr tragen. Ich könnte alles schlafen und schließlich neu erwachen lassen - das Alte wäre vorbei, unwichtig, Ängste und Freuden gleichermaßen, Misserfolge und Siege. Brachland läge vor mir, und ich könnte neu säen, neu beginnen, ausprobieren, immer nur Erdgeschosse bauen, anstatt in wackeligen Türmen dem unerreichbaren Himmel entgegen zu streben.<br />Ich wünsche mir einen innerlichen Winter. Ich wünsche mir Kühle, innere Regungslosigkeit, weiße Beherrschtheit. Wie kann ich den Regen auf meinen Wangen kristallisieren, herabkühlen, zu schönen Schneeflocken machen? Muss ich etwa warten, bis sich Schnee auf mein Haupt gelegt hat? Schnee, der zu Eis wird, der meine Gedanken und Gefühle in eine Kältestarre versetzt?<br />Ich möchte ihn jetzt, den Winter. Einen Winter, an dem ich gehen kann.<br /><br /><br />Ich kann gut verstehen, warum Frauen von schneeweißen Hochzeiten träumen. Ich empfinde nicht anders.<br />Sie ist nun weiß, meine Braut, sie hat sich in einen Schleier der Reinheit gehüllt, und ich weiß diese bedeutsame Geste zu schätzen. Ich frage nicht nach der Geschichte ihres Körpers, es ist mir gleich, wer mit ihr welchen Umgang hatte – denn für mich hat sie ihre Weißheit enthüllt. Ich liebe sie so, wie sie sich mir zeigt, und eben so werde ich sie vor den Traualtar führen. Mein Schneetiger wird an meiner Seite sein, er ist ein verlässlicher Trauzeuge – er präsentiert mir die beiden vertrauten Silberringe, die mich und meine Braut verbinden werden.<br /><br />Mag sein, dass ihr euch eine andere Schwiegertochter gewünscht habt. Vielleicht eine, die man auch nackt vorzeigen kann, eine, die stolz hinter ihrer Geschichte steht. Eine, die nur von den Besten geliebt wurde und sich nur den Besten hingibt. Eine, die keinen Schleier braucht.<br />Doch meine Liebe gilt nicht dem Anerkannten, sondern dem Aufrichtigen. Und sie, meine Braut, ist aufrichtig – ich weiß von ihrer Zügellosigkeit, ihrem unermesslichen Hunger, ihrer Uneinigkeit mit sich selbst. Doch für mich trägt sie einen Schleier – ich darf sie neu kennen lernen. Ich gebe ihr die Chance, neu für mich zu sein. Ich darf auf den Pfaden irren, die mich zu ihrer Seele führen.<br />Ich werde sie euch mitbringen. Die Seele eurer Schwiegertochter wird auch Eure sein.<br />Ich weiß nicht, ob meine Braut mich lieben oder hassen wird. Ob sie mich womöglich strafen, ermahnen, oder gar beschenken möchte. Ich habe keinerlei Vorstellung von den Früchten, die unsere Verbindung tragen kann. Doch daran denke ich nicht, denn der weiße Schleier lässt den Blick nicht irren, lenkt nicht vom Wesentlichen ab – von meiner unermesslichen Liebe zu ihr.<br />Mein Schneetiger weiß, wovon ich spreche. Auch er liebt sie auf seine Weise. Er fürchtet sie, begehrt sie, bezwingt sie und lässt sich von ihr verletzen. Aber er trägt stets die Silberringe bei sich und wartet auf den richtigen Augenblick, um sie uns zu überreichen.<br /><br />Liebe Braut, du wartest schon lange auf mich. Du lädst mich ein, und letzten Endes werde ich zu dir gehen. Mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Wissen, dass es kein Zurück gibt.<br />Ich gehe deine Seele suchen.<br /></div><br /><br />
 <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 02:53:56 +0100</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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<title>&amp;#1071; &amp;#1089;&amp;#1083;&amp;#1099;&amp;#1096;&amp;#1091; &amp;#1087;&amp;#1083;&amp;#1072;&amp;#1095;</title>
<link>http://enemy.blogg.de/eintrag.php?id=29</link>
<description><![CDATA[<br />
<div style="text-align: center;"><br /><br />&#1071; &#1089;&#1083;&#1099;&#1096;&#1091; &#1087;&#1083;&#1072;&#1095; &#1084;&#1086;&#1080;&#1093; &#1089;&#1083;&#1086;&#1075;&#1086;&#1074; -<br />&#1048;&#1093; &#1085;&#1077; &#1076;&#1086;&#1089;&#1090;&#1072;&#1085;&#1077;&#1090; &#1074;&#1079;&#1075;&#1083;&#1103;&#1076; &#1073;&#1086;&#1075;&#1086;&#1074;...<br />&#1050;&#1072;&#1082; &#1084;&#1099;&#1096;&#1082;&#1072; &#1087;&#1088;&#1103;&#1095;&#1091;&#1089;&#1100; &#1103; &#1074; &#1085;&#1086;&#1088;&#1077;,<br />&#1048; &#1084;&#1085;&#1077; &#1076;&#1086;&#1089;&#1072;&#1076;&#1085;&#1086; &#1085;&#1072; &#1079;&#1072;&#1088;&#1077;,<br />&#1063;&#1090;&#1086; &#1103; &#1089;&#1083;&#1077;&#1087;&#1072;, &#1080; &#1085;&#1077; &#1091;&#1074;&#1080;&#1078;&#1091;<br />&#1058;&#1086;, &#1095;&#1090;&#1086; &#1083;&#1102;&#1073;&#1083;&#1102; &#1080; &#1085;&#1077;&#1085;&#1072;&#1074;&#1080;&#1078;&#1091;...<br />&#1052;&#1080;&#1088; &#1089;&#1083;&#1086;&#1074; – &#1086;&#1075;&#1088;&#1086;&#1084;&#1085;&#1099;&#1081;, &#1074;&#1083;&#1072;&#1089;&#1090;&#1085;&#1099;&#1081; &#1084;&#1080;&#1088;<br />&#1047;&#1072;&#1087;&#1086;&#1083;&#1085;&#1080;&#1083; &#1086;&#1085; &#1089;&#1086;&#1073;&#1086;&#1081; &#1101;&#1092;&#1080;&#1088;.<br />&#1053;&#1086; &#1093;&#1086;&#1090;&#1100; &#1085;&#1072; &#1094;&#1099;&#1087;&#1086;&#1095;&#1082;&#1080; &#1074;&#1089;&#1090;&#1072;&#1074;&#1072;&#1081; – <br />&#1052;&#1085;&#1077; &#1085;&#1077; &#1076;&#1086;&#1089;&#1090;&#1091;&#1087;&#1077;&#1085; &#1076;&#1072;&#1078;&#1077; &#1082;&#1088;&#1072;&#1081;<br />&#1058;&#1077;&#1093; &#1089;&#1086;&#1095;&#1080;&#1085;&#1077;&#1085;&#1080;&#1081;, &#1095;&#1090;&#1086; &#1078;&#1080;&#1074;&#1091;&#1090;<br />&#1059; &#1056;&#1091;&#1089;&#1089;&#1082;&#1086;&#1075;&#1086; &#1074; &#1076;&#1091;&#1096;&#1077;. &#1052;&#1086;&#1081; &#1090;&#1088;&#1091;&#1076;<br />&#1053;&#1072;&#1087;&#1088;&#1072;&#1089;&#1077;&#1085; &#1085;&#1077;&#1089;&#1086;&#1084;&#1085;&#1077;&#1085;&#1085;&#1086;.<br />&#1044;&#1072;&#1074;&#1072;&#1081;&#1090;&#1077; &#1086;&#1090;&#1082;&#1088;&#1086;&#1074;&#1077;&#1085;&#1085;&#1086;!<br /><br />&#1052;&#1099; &#1083;&#1102;&#1076;&#1080;, &#1075;&#1086;&#1083;&#1099;&#1077; &#1084;&#1083;&#1072;&#1076;&#1077;&#1085;&#1094;&#1099;,<br />&#1055;&#1088;&#1086;&#1087;&#1072;&#1093;&#1083;&#1080; &#1089;&#1090;&#1072;&#1088;&#1099;&#1084; &#1084;&#1086;&#1083;&#1086;&#1082;&#1086;&#1084;.<br />&#1053;&#1077; &#1074;&#1086;&#1080;&#1085;&#1099; &#1084;&#1099; – &#1086;&#1087;&#1086;&#1083;&#1095;&#1077;&#1085;&#1094;&#1099;,<br />&#1048; &#1074;&#1086;&#1077;&#1074;&#1072;&#1090;&#1100; &#1085;&#1072;&#1084; &#1073;&#1086;&#1089;&#1080;&#1082;&#1086;&#1084;.<br /><br />&#1071; &#1089;&#1083;&#1099;&#1096;&#1091; &#1082;&#1088;&#1080;&#1082; &#1084;&#1086;&#1080;&#1093; &#1089;&#1090;&#1080;&#1093;&#1086;&#1074; –<br />&#1047;&#1072; &#1095;&#1090;&#1086; &#1085;&#1072;&#1089; &#1079;&#1074;&#1072;&#1083;&#1080; &#1084;&#1091;&#1076;&#1088;&#1077;&#1094;&#1072;&#1084;&#1080;?<br />&#1052;&#1099; &#1088;&#1086;&#1076;&#1080;&#1083;&#1080;&#1089;&#1100; &#1080;&#1079; &#1087;&#1099;&#1083;&#1082;&#1080;&#1093; &#1089;&#1085;&#1086;&#1074;<br />&#1048; &#1083;&#1080;&#1096;&#1100; &#1074;&#1095;&#1077;&#1088;&#1072;, &#1079;&#1072;&#1073;&#1080;&#1074; &#1089;&#1077;&#1088;&#1076;&#1094;&#1072;&#1084;&#1080;<br />&#1057;&#1091;&#1084;&#1077;&#1083;&#1080; &#1074;&#1089;&#1090;&#1072;&#1090;&#1100;, &#1076;&#1077;&#1088;&#1078;&#1072;&#1089;&#1100; &#1088;&#1091;&#1082;&#1072;&#1084;&#1080;<br />&#1047;&#1072; &#1087;&#1100;&#1077;&#1076;&#1077;&#1089;&#1090;&#1072;&#1083;&#1099; &#1090;&#1077;&#1093; &#1075;&#1083;&#1091;&#1087;&#1094;&#1086;&#1074;,<br />&#1063;&#1090;&#1086; &#1083;&#1080;&#1096;&#1100; &#1091;&#1089;&#1087;&#1077;&#1083;&#1080; &#1074;&#1089;&#1090;&#1072;&#1090;&#1100; &#1089;&#1082;&#1086;&#1088;&#1077;&#1077;.<br />&#1052;&#1099; &#1074;&#1077;&#1088;&#1080;&#1084;, &#1095;&#1090;&#1086; &#1086;&#1085;&#1080; &#1089;&#1080;&#1083;&#1100;&#1085;&#1077;&#1077;<br />&#1061;&#1086;&#1090;&#1100; &#1084;&#1099; &#1084;&#1086;&#1083;&#1086;&#1078;&#1077;, &#1084;&#1099; &#1078;&#1080;&#1074;&#1077;&#1077;<br />&#1053;&#1086; &#1074;&#1089;&#1105; – &#1080;&#1089;&#1095;&#1077;&#1088;&#1087;&#1072;&#1085;&#1099; &#1080;&#1076;&#1077;&#1080;...<br /><br />&#1048; &#1089;&#1090;&#1072;&#1088;&#1086;&#1077; &#1074;&#1080;&#1085;&#1086; &#1084;&#1099; &#1074; &#1085;&#1086;&#1074;&#1099;&#1077; &#1084;&#1077;&#1093;&#1072;<br />&#1042;&#1089;&#1105; &#1083;&#1100;&#1105;&#1084;, &#1089;&#1086;&#1074;&#1089;&#1077;&#1084; &#1085;&#1077; &#1079;&#1072;&#1084;&#1077;&#1095;&#1072;&#1103;,<br />&#1063;&#1090;&#1086; &#1089;&#1074;&#1072;&#1076;&#1100;&#1073;&#1072; &#1074;&#1077;&#1089;&#1077;&#1083;&#1072;, &#1093;&#1086;&#1090;&#1100; &#1085;&#1077;&#1090; &#1079;&#1076;&#1077;&#1089;&#1100; &#1078;&#1077;&#1085;&#1080;&#1093;&#1072; -<br />&#1040; &#1075;&#1086;&#1089;&#1090;&#1080; – &#1078;&#1072;&#1076;&#1085;&#1099;&#1093; &#1075;&#1088;&#1080;&#1092;&#1086;&#1074; &#1089;&#1090;&#1072;&#1103;.<br /><br />&#1048; &#1084;&#1099;, &#1084;&#1083;&#1072;&#1076;&#1077;&#1085;&#1094;&#1099; &#1073;&#1077;&#1079; &#1087;&#1088;&#1080;&#1079;&#1086;&#1088;&#1072;,<br />&#1052;&#1099; &#1078;&#1076;&#1105;&#1084;, &#1082;&#1086;&#1075;&#1076;&#1072; &#1085;&#1072;&#1089;&#1090;&#1072;&#1085;&#1077;&#1090; &#1044;&#1077;&#1085;&#1100; -<br />&#1048; &#1085;&#1072;&#1089; &#1087;&#1088;&#1086;&#1089;&#1090;&#1103;&#1090;, &#1080; &#1073;&#1077;&#1079; &#1087;&#1086;&#1079;&#1086;&#1088;&#1072;<br />&#1052;&#1099; &#1076;&#1091;&#1096;&#1080; &#1089;&#1074;&#1086;&#1080; &#1073;&#1088;&#1086;&#1089;&#1080;&#1084; &#1074; &#1058;&#1077;&#1085;&#1100;...<br /></div><br /><br /><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;">batman, 4.1.08</span><br /> <br /><br /> &nbsp;]]></description>
<pubDate>Thu, 04 Dec 2008 19:43:57 +0100</pubDate>
<dc:creator>twoface</dc:creator>
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